Formation, Hagiotherapie im Alltag – In Ruhe das Leben gestalten. Entscheidungen treffen.

Gliederung

  1. Definition von Formation
  2. Philosophischer Ansatz
  3. Der Mensch entdeckt in der materiellen Welt die geistige Welt
  4. Materie und Form des Menschen
  5. Die Werkzeuge des menschlichen Geistes
  6. Die Hagiotherapie
  7. Grundsätze der Hagiotherapie
  8. Tägliche und hagiotherapeutische Formation
  9. Eckpunkte der Formation (falls noch erforderlich)

Begrüßung, Feststellen, wer heute zum ersten Mal im Hagiozentrum ist.

1. Definition von Formation

Formation kommt von „formare“, d.h. formieren, Form geben. Wir sollen uns selbst in Form bringen, d.h. uns aufbauen.

2. Philosophischer Ansatz

Wir wissen aus der Philosophie: Alles, was existiert, ist Materie. Durch die Form gibt es unterschiedliche Stadien (z.B. Holz ist die Materie. Holz können wir unterschiedlich formen: einen Tisch, einen Stuhl, ein Kruzifix). Es ist die gleiche Materie, jedoch in unterschiedlichen Formen.

3. Materie und Form des Menschen

In entsprechender Weise können wir auch über den Menschen nachdenken. - Was ist die Form und Materie beim Menschen? Wodurch ist der Mensch eigentlich Mensch? Durch die Form. - Die Form ist etwas, was ich in meiner Vernunft/Intellekt habe. Ich gestalte die Materie, damit sie die Form bekommt, die ich mir wünsche. Die Form ist nicht materiell, sondern geistig.  „Die Einheit von Seele und Leib ist so tief, dass man die Seele als die Form des Leibes zu betrachten hat, das heißt die Geistseele bewirkt, dass der aus Materie gebildete Leib ein lebendiger, menschlicher Leib ist. Im Menschen sind Geist und Materie nicht zwei vereinte Naturen, sondern ihre Einheit bilden eine einzige Natur.“[1]

4. Der Mensch entdeckt in der materiellen Welt die geistige Welt

Da der Mensch die Natur nicht selber geformt, sondern sie vorgefunden hat, folgern wir, dass es ausser dem Menschen noch eine höhere Vernunft geben muss, jemand, der all diese Formen geschaffen hat. 

Der Mensch entdeckt in der materiellen Welt die geistige Welt, er erkennt den Schöpfer.

Die gesamte Technik, Architektur und Kunst, die gesamte Literatur und alles, was der Mensch schafft, ist nichts anderes als das Einbringen der Gedanken, des Geistes, des Sinnes, also der geistigen Wirklichkeit in die Materie. Ohne die Form ist die Materie leer, tot und sinnlos.

5. Zwei Werkzeuge des menschlichen Geistes (P)

Sein Werkzeug ist das menschliche Bewusstsein, das ihm seine Orginilatität entdecken lässt. Bewusstsein ist das Licht, durch das ich sehen kann, warum es notwendig ist, gut zu sein, in der Liebe zu sein. Das Bewusstsein ist Person. Lebst du deine Einzigartigkeit? Hast du erfahren, dass du ein Orginal bist, lebst du deine Einzigartigkeit. Rufe dich bei deinem Namen, du sollst hören, ja ich nehme mich an. Ich akzeptiere meine grundlegenden Werte. 

Das 2. Werkzeug ist das der menschlichen Freiheit. Trotz seiner Begrenztheit in der Welt ist der Mensch frei, d.h. er besitzt die Freiheit, sich für das Gute zu entscheiden.

6. Die Hagiotherapie (D)

Die Medizin behandelt den Leib des Menschen, die Psychologie hat ihren Fokus auf die Psyche des Menschen, die Hagiotherapie richtet ihr Augenmerk auf den Geist des Menschen, seine Geistseele. Sie sieht nicht nur die Leiden des Menschen, sondern auch die Erforschung der Entwicklung des Menschen, der auf der psychophysischen Ebene begrenzt ist, sich aber auf der Ebene des Geistes unendlich entwickeln kann, wenn er seinen Wert entdeckt hat. “Die Hagiotherapie ist nicht eine Behandlung, sondern die Erkenntnis: Wer bin ich?“[2]

7. Zwei Grundsätze der Hagiotherapie

  • Hagiotherapeutische Formation ist dieses Einüben des Menschseins. Es ist gewissermassen eine „Inkarnation“ des Seins und der Transzendentalien durch die Person. Sie „werden Fleisch“ und kommen zur Welt, sie treten in die Wirklichkeit ein und werden erfahrbar. Weil wir begrenzt sind, gelingt es uns nie vollständig. Dass soll uns aber nicht mutlos machen. Es ist ein Ziel, das wir immer neu anstreben.
  • Oft erfahre ich Einsamkeit, Streit, Sinnlosigkeit, Ohnmacht, Mangel und Versagen. Das ist meine Wirklichkeit.  - Wenn aber einer zu mir gütig ist, gibt es „das Gute“ für mich. Wenn einer mir gegenüber wahrhaftig ist, gibt es „die Wahrheit“ für mich. Weil sich mir jemand liebevoll zuwendet, ahne ich: Es muss die Liebe geben. Da strahlt eine Schönheit aus dem Dasein dieses Menschen hervor und bricht in meine Wirklichkeit ein. Solche Begegnungen befreien mich. Mein ganzes Leben lang werde ich mich daran erinnern und das wird mich immer wieder aufrichten. Dass dieser Mensch sich mir zuwendet, lässt mich meine Würde erkennen. Dass er mir Gutes tut, weckt in mir die Güte. Dass er wahrhaftig ist, weckt in mir die Sehnsucht, ehrlich zu sein. Dass er mir Liebe schenkt, weckt in mir den Wunsch, das gleiche zu tun. Ich werde schön: mein Dasein beginnt, die Schönheit des Seins auszustrahlen. So kann ich selbst ein solcher Mensch werden, der andere ins Menschsein führt. Dafür kann ich mich bewusst entscheiden.

8. Tägliche hagiotherapeutische Formation (D und P abwechselnd)

Die täglichen Übungen finden in den alltäglichen Verrichtungen statt; Wie beginne ich meinen Tag? Wie erfülle ich meine Alltagspflichten, die Arbeit, den Haushalt? Wie begegne ich den Bedürftigen? Wie öffne ich die Tür für meine Gäste? Kuchenduft und Kerzenschein sind Ausdruck meiner Freude und meines Wunsches, dass es ihnen bei mir gut geht. Wie beschliesse ich den Abend? Ich darf Frieden machen mit meinen Grenzen! Kann ich gütig sein mit mir selbst?

Wir möchten aufzeigen, dass die Gesetzmässigkeiten des Geistes (das Gute, das Wahre, das Schöne, das Eine) „im menschlichen Leben die wichtigste Rolle spielen. Deshalb will der Mensch sie in jedem Augenblick seines Lebens beachten und er will sie in seinen Alltag integrieren. Denn es ist der Geist, der ihn schwach oder stark, krank oder gesund, traurig und froh macht….

Mach dir bewusst, dass du im Sein und in der Güte bist. Dieser Tag wird gut werden. Ich glaube, dass er gut wird.

Deshalb ist ständige Formation oder tägliches Einüben notwendig. Dies führt zum wahren Menschsein.

  • „Wenn du in den neuen Tag hineingehst:
  1. Wenn du aufwachst… Mach dir bewusst, dass du im Sein und in der Güte bist. Dieser Tag wird gut werden. Ich glaube, dass er gut wird.
  2. wenn du deine Mahlzeit zu dir nimmst, dann nährst du deinen Leib. Gute Gedanken aber und gute Worte nähren deine Geistseele. Entscheide dich, nur Gutes zu sprechen, und bedenke: Jede Körperzelle wird dadurch aufgebaut und erfährt Heilung. Entscheide dich, gesund werden zu wollen!
  3. Wenn du mit jemanden sprichst, dann denke daran, dass das SEIN existiert und von diesem nur Gutes ausgeht. Und dieses Gute erfüllt dich und baut deine Körperzellen auf.
  4. Wenn du eine Arbeit verrichtest, dann bedenke: auch in mir schafft jemand meine Gesundheit, indem er meine Zellen belebt. Ich genese.
  5. Wenn du in der Natur wanderst, dann betrachte die Schönheit, die dich umgibt. Erlaube den Blumen, dich zu streicheln. Schau den Vogel in seinem Flug, betrachte den Baum, wie er gewachsen ist – so wirst auch du wachsen, denn dein Geist kann sich  ungehindert entfalten. Lass zu, dass dein Weg von dieser Schönheit erfüllt wird.
  6. Wenn du mit dem Auto unterwegs bist, dann überlege: ich fahre auf ein Ziel zu. Was ist mein Ziel?
  • Wenn du in die Welt, in der Gesellschaft, am Arbeitsplatz bist…
    Bedenke, dass es in jedem Menschen sowohl Gutes als auch Böses gibt, das Gute aber immer stärker ist.
  1. Aus deinem Mitmenschen wird soviel Gutes strömen, wie du mit deinem „Schlüssel“ die Türe des Guten öffnest, d.h. wie du positive und gute Worte aussprichst.
  2. Wenn andere von negativen Erfahrungen reden, dann dem sofort in deinem Inneren gute und positive Gedanken entgegen: Das Licht ist stärker als die Dunkelheit – das Leben ist stärker als der Tod – die Gerechtigkeit ist stärker als die Korruption.
  3. Wenn jemand von Angst spricht, dann bedenke sogleich: - Was immer du tust, mit dir ist der allmächtige Schöpfer, die Liebe, derejenige, der sich freut, wenn du mutig, entschlossen und gesund bist. – in dir kannst du sagen: Das Gute ist stärker als das Böse, das Gute übersteigt unendlich jegliche Angst. – Am Ende kannst du sprechen: Ich glaube, dass es trotz allem gut wird! Alles wird tut! Wiederhole dies für dich solange, bis du spürst, dass deine Angst abnimmt, Vertrauen und Mut jedoch wachsen.
  4. Wenn du dich von anderen verabschiedet hast, dann mache dir bewusst, dass du etwas Gutes getan hast: Du bist stark geblieben und hast dem anderen geholfen, seiner Angst nicht zu unterliegen!
  • Wenn du allein bist und dich belastende Gedanken quälen…
  1. Wenn du aus dem Fenster schaust, kannst du Menschen sehen. In entsprechender Weise kennst du auch deinen Schöpfer sehen, er ist da, er ist immer bei dir! Geniesse diese seine Gegenwart, die dir Sicherheit gibt.
  2. Wenn das Fenster geöffnet ist, „fliesst“ die ganze Schöpfung in dein Zimmer herein und heilt deine Gedanken, alle deine Körperzellen werden erneuert, du erfährst Heilung und wirst neu. Du bist Teil dieser Schöpfung und kannst spüren, wie sie dich liebkost.
  3. Wenn du menschliche Stimmen vernimmst, dann fühlst du, dass du nicht in dir selbst verschlossen bist, sondern dich das Leben deiner Mitmenschen umgibt. Du bildest mit den Menschen und der ganzen Schöpfung eine Einheit – geniesse diese Gemeinsamkeit!
  4. Wenn du in deinem Zimmer sitzt, dann bedenke, dass Jemand bei dir ist und du nicht allein bist. Er trägt dich und das ganze Alle auf seinem Schoss. Auf seinem Schoss kannst du in Frieden und Sicherheit sein!
  5. Wenn du am Radio aufdrehst, dann hörst du Stimmen von Menschen, die zwar nicht anwesend, aber doch lebendig sind. Öffne in ähnlicher Weise dein Gewissen und lausche der Stimme des Seins, des Lebens und der Gesundheit – so gelangen Gesundheit und Leben in dich hinein!
  6. Lausche demjenigen, der durch deine Gedanken und deine Gefühle zu dir spricht – und du kannst erleben, wie deine Milliarden von Körperzellen sich darum bemühen, dass es dir gut geht. Nimm dies an, nimm diese Gesundheit an und danke dafür.
  • Wenn du schlafen gehst
  1. Nimm dir Zeit um dich und alle deine Kräfte zu sammeln. Spüre die Anwesenheit des Leibes, deiner Emotionen, deines ganzen Wesens. Du bist weder Leib, noch deine Emotionen – du stehst über alldem. Versenke dich jetzt in diese Wirklichkeit.
  2. Danke für den zuende gehenden Tag. Danke für jede Situation, auch für die schwierigen. Wenn du in dir Dankbarkeit weckst, wird dir Erleichterung geschenkt. In der Dankbarkeit nimmt du eine schwere oder schmerzvolle Angelegenheit in gewisser Weise an und sie wird gewandelt, der Schmerz wird geringer. Auf diese Weise gehst du aus jedem schweren Zustand hinaus und wendest dich dem Guten zu.
  3. Verabschiede dich vom zuende gehenden Tag. Analysiere nicht, insbesondere nicht negative und belastende Ereignisse, denn dies würde dich zurückwenden, dich auf den Schmerz fixieren und dir schaden.
  4. Du brauchst jetzt Erholung, alle deine Körperzellen warten auf deine Entscheidung, auszuruhen. Entscheide dich auch, nur Gutes zu denken – das Gute ist das Wesen deiner Existenz. Das Gute hat das letzte Wort, es ewig, das Böse jedoch ist lediglich eine Episode des Lebens.
  5. Halte dich am Guten fest, schau auf das Gesunde, jetzt wird deine Körperzellen Gesundheit eingeprägt und sie regenerieren sich.
  6. Auch jetzt bist du nicht allein, dein Schöpfer ist da, er ist bei dir, fürchte dich nicht. Überlasse dich ganz und gar dieser Sicherheit, lass all deine Not hinter dir, deine Ängste, Unsicherheiten und Schmerzen. Alles in dir kommt zur Ruhe, alles kann sich zum Guten wenden, alles wird gut.
  7. Lass den inneren Frieden sich ausbreiten, lass zu, dass diene Angst verschwinden, spüren nach, wie alle deine Schmerzen abnehmen.
  8. Überlass dich dem Schlaf, morgen wird ein neuer Tag sein!“[3]

9. Eckpunkte der Formation

Falls erforderlich: Annehmen – Verzeihen – Dankbarkeit –Verzichten.

Hinweis auf den Vortrag von Prof. Renner mit dem Thema „Vergeben“. Durch das Vergeben befreit sich der Mensch von etwas Bösem. Vergeben ist ein höchst wirksames Medikament. Im Vergeben wendet sich der Mensch nicht den Beleidigungen, Verletzungen, seelischem Schmerz, sondern sich selbst zu. „wenn er nämlich das Böse, das ein anderer ihm angetan hat, akzeptiert, dann schadet er sich selbst. Das ist wie eine in mir aktivierende Bombe, die mich zerreissen wird. Wenn ich vergebe, dann werfe ich diese Bombe von mir weg, ich werde frei von dem Negativen das in mir war und mich in der Gewalt dieses Negativen festgehalten hat. Durch die Vergebung rechtfertigen wir nicht die böse Tat, sondern befreien uns von ihr und gehen aus dem Raum des Bösen hinaus.

B:H. Lipton, Biologe[4], ist der Meinung, dass wir durch die Verweigerung der Vergebung unserer Körperzellen Schaden  zufügen. In unseren Körperzellen hätten wir jedoch auch „Embryo-Zellen“, und diese könnten erkrankte Zellen heilen oder tote Zellen mit gesunden Zellen ersetzten. Wenn wir vergeben und uns dem Guten zuwenden, würden die „Embryo-Zellen“ aktivieren und dann könnten diese kranke Menschen heilen bzw. tote Zellen regenerieren.“[5]

 


[1] Katechismus der katholischen Kirche, Nr. 365

[2] Lela Crnek, die Hagiotherapeutische Apotheke, Zagreb 2016, S.5. Dies ist ein Zitat von Tomislav Ivancic. d

[3] Crnek, Hagiotherapeutische Apotheke, S.163-168.

[4] Ein Wissenschaftler von Rang, nicht dem Christentum zugewandt.

[5] Crnek, Hagiotherapeutische Apotheke, S.87

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