Vergebung

Ein Arzneimittel ohne Risiken und ohne Nebenwirkungen

Der Leiter des HZL Hagio-Zentrum-Limburg, Diakon Bernd Faßbender, konnte den Referenten Prof. Dr. Helmut Renner zum Thema „Vergebung - ein Arzneimittel ohne Risiken und ohne Nebenwirkungen“ gewinnen. Am Samstag, den 20. Oktober 2018, begrüßte er im Kolpinghaus, Limburg ihn und 60 Zuhörer zum Vortrag.

Vergeben, oder als anderes Wort Verzeihen, ist ein ständiger Lernprozess des Menschen. „Frieden finde ich nur durch die Vergebung“, so lautete die Grundbotschaft des Referenten. Und andererseits ist Nicht-Vergeben die Ursache für Groll, Zorn, Hass, Rachsucht, Bitterkeit, Haltungen, die an Geist, Seele und letztlich auch am Körper krankmachen. Nicht-Vergeben ist bei vielen Menschen eines ihrer Hauptprobleme. Prof. Dr. Helmut Renner war 32 Jahre lang als Chefarzt am Klinikum Nürnberg tätig. Seit seinem Ruhestand im Jahre 2008 lebt er in Luzern, Schweiz. Aus der Perspektive des Arztes verweist er auf die bedeutsame Rolle, welche die Vergebung für die leibliche und seelische Gesundheit spielt.

Prof. Renner brachte es auf den Punkt: „Ich muss mich entscheiden:  Ich vergebe oder ich verbittere.“ Vergeben ist ein Willensakt: „Ich will vergeben.“ Ohne Bedingungen. Vergeben ist keine Gefühlsduselei. Er sagte weiter: „Vergeben kann ich lernen. Es ist erlernbar wie ein Schulfach oder EDV-technisch formuliert: es gilt im Gehirn ein „neues Softwareprogramm zu installieren“. Und ich sollte es lernen, oder ich sollte mich „umprogrammieren“, weil ich selbst der größte Nutznießer meiner Vergebung bin.

Der Referent machte dann deutlich: Vergeben und Versöhnen sind zwei ganz unterschiedliche Dinge. Vergeben ist einseitig. „Ich vergebe.“ Ohne, dass der Täter für seine Schuld Reue zeigt oder um Vergebung bittet. Vergebung ist immer möglich, sie hängt nur von mir ab, von meiner Einsicht und von meinem Willen. Versöhnung ist wechselseitig, gegenseitig, Versöhnung bedeutet, der Täter bittet für seine Schuld das Opfer um Vergebung, und das Opfer vergibt seinem Täter.

Die kirchliche Form der Versöhnung ist die Beichte. Bei ihr geht es um meine Schuld vor Gott, deren Vergebung mir durch den Priester zugesprochen wird.

„So führt die Beichte zu einer umfassenden Versöhnung und Heilung, ist gleichsam ein Akt der geistlichen Medizin.“

Die Vergebungsforschung, insbesondere in den USA, weist auf seriöse wissenschaftliche Ergebnisse hin. Sehr gut abgesichert ist die Beobachtung: Vergebung senkt Blutdruck und Puls und schützt damit vor Herz-Kreislauferkrankungen.

  1. Stufe: Loslassen, weggeben, aufgebenSchließlich entfaltete Prof. Dr. med. Helmut Renner, wie wir beim Vergeben vorgehen können. Es ist etwas Aktives mit drei Stufen:
  2. Stufe: abgeben, übergeben, freigeben und
  3. Stufe: übernehmen, beten, Schuld erlassen, bekennen, aufopfern,             mich Jesu übergeben, danken.

Vergeben ist freigeben und freiwerden freiwerden von der Last der Unvergebenheiten. So stellt sich die Frage: „Wer füllt dann den entstandenen Leerraum?“ Als Christ gibt Professor Dr. Renner die Antwort: Jesus Christus. „Vergeben ist unsere Christenpflicht. Denn so beten wir im Vaterunser: “Wie wir vergeben unseren Schuldigern.“ Die christliche Botschaft besagt auch, dass der Mensch bei Gott nicht nur um Vergebung für sich selbst bitten kann in der Beichte sondern auch in Fürbitten als Akt christlicher Nächstenliebe stellvertretend für andere.

Viele Fragen wurden aus dem Publikum gestellt, die Prof. Renner geduldig, aber mit Entschiedenheit und Eindeutigkeit beantwortete. Zur Beichte stand Dompfarrer Gereon Rehberg und Kaplan Daniel Engels in der Pause bereit. Dafür und für den Vorabendgottesdienst sagen wir „Herzlichen Dank“.

Ganz praktisch wurde es im anschließenden Gottesdienst. Dr. Renner motivierte die Teilnehmer seines Vortrages, einen „Schuldschein“ mit den Namen von 1-2 konkreten Personen auszufüllen, denen der Teilnehmer jetzt sofort vergeben will. Nach einem Heilungsgebet zur Vergebung konnte er seinen ausgefüllten Schuldschein mitbringen, ihn hörbar zerreißen und die Papierschnitzel in einen Korb vor den Altar legen, dabei die Worte sprechend: „Ich vergebe Dir, von ganzem Herzen, im Namen Jesu!“ Die Predigt, passend zum Thema „Vergebung“, hielt Diakon Bernd Faßbender.

Schon vor dem Urknall, also vor 13,7 Milliarden Jahren war jeder Mensch bereits ein liebender Gedanke Gottes. Von Anbeginn an hat der Schöpfer den Menschen mit freiem Willen ausgestattet. Der historische Jesus von Nazareth, wahrer Mensch und wahrer Gott, hat uns vor 2000 Jahren die Botschaft der Vergebung gebracht. Der historische Jesus von Nazareth sorgt dafür, dass, wenn ich meinen Mitmenschen vergebe, Gott auch meinen Schuldschein zerreißen wird.

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