„Sei um zu sein“ Sich selbst finden um stark zu sein

Vortrag im HZL, 13. August 2019 Rosemarie Köchling, Oberursel

Rosemarie Köchling

  1. Der Adler, der nicht fliegen wollte (von James Aggrey)


Ein Landwirt fand einen jungen Adler, der sich beim Sturz auf seine Beute im Dornengestrüpp verfangen hatte.  Er brachte ihn heim und steckte ihn in den Stall zu den Hühnern.  Und er fütterte den Adler, den König der Vögel, wie die Hühner. 

Nach fünf Jahren erhielt er den Besuch eines naturkundigen Mannes. Und als sie miteinander durch den Garten gingen, sagte der: "Dieser Vogel dort ist kein Huhn, er ist ein Adler!"

"Ja", sagte der Mann, "das stimmt. Aber ich habe ihn zu einem Huhn erzogen. Er ist jetzt kein Adler mehr, sondern ein Huhn, auch wenn seine Flügel 3 Meter breit sind." "Nein", sagte der andere. "Er ist immer noch ein Adler, denn er hat das Herz eines Adlers. Und das wird ihn hoch hinauffliegen lassen in die Lüfte." "Nein, nein", sagte der Mann, "er ist jetzt ein richtiges Huhn und wird niemals fliegen."

Darauf beschlossen sie, eine Probe zu machen. Der naturkundige Mann nahm den Adler, hob ihn in die Höhe und sagte beschwörend:"Der du ein Adler bist, der du dem Himmel gehörst und nicht dieser Erde: Breite deine Schwingen aus und fliege!"

Der Adler saß auf der hochgereckten Faust und blickte um sich. Hinter sich sah er die Hühner nach ihren Körnern picken, und er sprang zu ihnen hinunter. Der Mann sagte: "Ich habe dir gesagt, er ist ein Huhn!" "Nein", sagte der andere, "er ist ein Adler. Versuche es morgen noch einmal!"

Am anderen Tag stieg er mit dem Adler auf das Dach des Hauses, hob ihn empor und sagte: "Adler, der du ein Adler bist, breite deine Schwingen aus und fliege!" Aber als der Adler wieder die scharrenden Hühner im Hofe erblickte, sprang er abermals zu ihnen hinunter und scharrte mit ihnen. Das sagte der Mann wieder: "Ich habe dir gesagt, er ist ein Huhn!" "Nein", sagte der andere, "er ist ein Adler, und er hat immer noch das Herz eines Adlers. Lass es uns noch ein einziges Mal versuchen; morgen werde ich ihn fliegen lassen!"

Am nächsten Morgen erhob er sich früh, nahm den Adler und
brachte ihn hinaus aus der Stadt, weit weg von den Häusern an den Fuß
eines hohen Berges. Die Sonne stieg gerade auf, sie vergoldete den Gipfel des Berges, jede Zinne erstrahlte in der Freude eines wundervollen Morgens.

Er hob den Adler hoch und sagte zu ihm: "Adler, du bist ein Adler. Du gehörst dem Himmel und nicht dieser Erde. Breite deine Schwingen aus und fliege":  Der Adler blickte umher, zittert, als erfülle ihn neues Leben aber er flog nicht. Da ließ ihn der naturkundige Mann direkt in die Sonne schauen. Und plötzlich breitete er seine gewaltigen Flügel aus, erhob sich mit dem Schrei eines Adlers, flog höher und höher und kehrte nie wieder zurück.

 

Nach der Geschichte nun der eigentliche Vortrag:

Der Tierforscher nahm den Adler auf seinen Arm und sagte:  „Flieg Adler, breite deine Flügel aus, du gehörst dem Himmel nicht der Erde.“
Wir Menschen gehören teils dem Himmel und teils der Erde. Durch unseren Geist können wir viel mehr als wir denken. Unser Geist ist vom Himmel.
Deshalb können wir Menschen transzendieren, das heißt, sich über das Irdische erheben.
Wir können uns in die die Liebe schwingen, in die Wahrheit, in die Güte, in die Schönheit , in die Einheit.
Das sind die Transzendentalien, die Gesetzmäßigkeiten des Geistes
Aber wenn wir nach unten schauen, sehen wir die Sonne nicht.
Denken wir an den Adler.
Wir müssen schauen, was ist meine Kraft, mit der ich mich empor schwingen kann? Das ist mein Geist, der in mir ist und der Geist ist das SEIN.
Da kommen wir zu dem Titel des Vortrags: „Sei um zu sein“ und dem Untertitel „Sich selbst finden um stark zu sein.“
In  der Anthropologischen Medizin oder Hagiotherapie sprechen wir, um Gott zu nennen, von dem absoluten SEIN was die Liebe( das ist philosophisch ausgedrückt)  und von Gott dem Schöpfer um die Person erkennbar zu machen,  dieser Begriff ist biblisch.
Anthropologie ist die Lehre von Menschsein. Anthropos (griechisch) heißt:
Nach oben blickend.
Der zu den Höhen Blickende.
Der seinen Ursprung Suchenden
Der aufrecht Gehende.
Der Mensch ist Person indem er „Ich bin“ sagen kann, das unterscheidet ihn von den Tieren und  Pflanzen. Er hat besondere Eigenschaften, die nur eine Person hat, wie Bewusstsein, er kann über sich selbst und alles reflektieren.
Er hat feien Willen und kann frei entscheiden. Er hat ein Gewissen, das ist die Stimme des SEINS, die ihn anleitet zum Guten und bewahren will vor Bösem. Um nur drei Eigenschaften zu benennen.
Diese Person, die der Mensch bei seiner Empfängnis, personal von seinem Schöpfer empfängt, ist in seiner Geistseele beheimatet. Die Geistseele ist unzerstörbar und ewig, deshalb kann sich die Person auch immer wieder verändern.
Das Wort Geistseele setzt sich aus zwei Wörtern zusammen. Geist ist der Funke von Gott, daher ist der Geist frei von Raum und Zeit und fähig mit Gott dem Schöpfer, mit allen Menschen und mit sich selber zu kommunizieren.
Die Seele ist das Prinzip des Geistes, sie hat geistige Strukturen, die wir in der HAT geistige Organe nennen. Der Geist kann nicht krank werden, nur die geistigen Organe. Die vitalen Organe sind das Leben, das Herz, das Gewissen, Glauben und Vertrauen.
Diese geistigen Organe zu erforschen und zu heilen, damit befasst sich ausschließlich die Anthropologische Medizin nach der Methode der Hagiotherapie.
Die Geistseele ist die stärkste Kraft im Menschen, sie gibt dem ganzen Menschen seine Form. „Ich bin in Form, sagt der Mensch, wenn er sich fit fühlt.“

2.Teil
Nur wenn ich die Person bin, die ich bin, bin ich.
Der Schöpfer stellt sich im AT dem Mose vor, indem er zu ihm sagt: Ich bin, der ich bin da!
Kann ich das auch von mir sagen? Wie geht es Euch, wenn ihr diesen Satz in euch aussprecht? Dann kommt sicher sofort der Gedanke, oh Gott, wie ich bin, da kann ich nicht behaupten, dass ich vom Himmel bin.
Aber das ist der Knackpunkt.
Ich muss zunächst den Mut  haben meine „Wirklichkeit“ anzuschauen und dann  schrittweise mein innerstes Wesen wahrnehmen, dass ganz tief in mir vorhanden ist. Dieser wunderbare Mensch, den der Schöpfer gemacht hat, von dem er sagt, dass er ihn „sehr gut“ gemacht hat. Diese einzigartige Persönlichkeit bekommt jeder Mensch bei seiner Empfängnis direkt vom Schöpfer geschenkt.
Und das bist Du!

Aber wie oft verurteilen und  kritisieren wir uns. Wie oft lehnen wir uns ab, weil wir anders sein wollen, als wir sind. Wie oft sind wir mit unseren Leistungen nicht zufrieden, mit unserem Aussehen, mit unserer Lebenssituation, mit den Menschen, mit denen wir zusammen leben.

Wir spüren unser Gutes und wie spüren auch unseren Mangel.
Dieser Mangel rührt aus unseren Lebensverletzungen, die jeder Mensch hat.
Z.B: Wo habe ich Blockade? Wo bin ich gebunden?
An mich selber … an meine eigene Enge und Verschlossenheit.
An Menschen … die mich hindern ich selbst zu sein.
An Sorgen … die schon Nester in mir gebaut haben.
An negative Gedanken … die mich immer wieder herunter ziehen.
An materielle Güter … von denen ich abhängig bin.

Gebunden sein im negativen Sinn bedeutet immer Beklemmungen, Fesseln, Unfreiheit.

Wenn ich wieder im Hühnerstall bin mit dem Kopf nach unten, muss ich wissen, wie ich mich zum Licht schwingen kann. 

3.Teil

Es stellt sich nun die Frage, wie komme ich heraus aus diesen Gebundenheiten und Abhängigkeiten.

Wer ist meine Sonne?  Denken wir an den Adler.
Meine Sonne ist das absolute Sein die Liebe, mein Ursprung, mein Schöpfer.
Jetzt ist der Moment da, wo ich das Licht suchen muss, die Sonne, jemanden der größer ist als ich, der die Liebe ist und allmächtig.
Wenn ich mich ernsthaft frage: „Woher komm ich?  Wer bin ich?  Wohin geh ich?“ … dann bin in der Ebene des Geistes, in meiner Geistseele, ganz bei mir und ausgerichtet auf meinen Schöpfer. Diese Frage wird sich jeder irgendwann mal stellen in seinem Leben.

Stellen wir uns ein paar Fragen um zu prüfen ob wir schon im SEIN sind:

Bin ich authentisch? Authentisch zu sein ist für viele eine tiefe Sehnsucht.
Kann ich klar sagen, was ich denke, was ich will und was ich nicht will, ohne zu verletzen?
Kann ich gut zu mir sein, ohne egoistisch zu sein?
Kann ich mein Wesen annehmen und ja zu mir sagen?
Freue ich mich über meine Stärken und nutze sie, ohne mich über andere zu erheben?
Finde ich mich trotz meiner Schwächen liebenswert?
Bin ich mit meinem Aussehen zufrieden? Sehe ich das Schöne und Besondere an mir?
Voraussetzung  um zu sein ist die liebevolle Annahme meiner selbst. Denn der Schöpfer hat mich wunderbar geschaffen.
Lerne dich selbst kennen.
Wichtig ist, das richtige Bild von sich zu haben. Zu wissen von seinen Fähigkeiten, Vorzügen und auch von seinen Fehlern und Schwächen. Schau auf das Gute in dir, und sieh zu, dass es zur Entfaltung kommt. Das ist der einzige Weg, dann schwindet das Unkraut von selber.
Ich kann der werden, der ich sein kann. Ich entscheide das.
Keiner ist wie ich und damit bin ich davon befreit  der oder die Erste und Beste sein zu müssen, sondern nur einzigartig zu sein.
Das ist eine befreiende Botschaft. Sie befreit mich vom Streben nach Anerkennung Ich kann mich als Person immer wieder anders entfalten, aber niemals ein anderer werden.
Der Schöpfer ändert den Menschen von innen her indem er ihn mit seiner Liebe berührt.
Zitat von unserm Gründer Prof. Ivancic:
„Es liegt im Wesen des Menschen, ein Leben nach dem Gesetz des Guten und Wahren zu führen. Wenn sein Denken, Sprechen und Handeln aufrichtig, gut und von Liebe geleitet ist, werden seine organischen Zellen positiv erneuert.“
Prof. Ivancic führt in seinen Vorträgen aus, dass die Neurowissenschaften mit der Epigenetik uns lehren, dass das, was wir glauben, Bestandteil unseres Genoms wird. Der Mensch gestaltet seine Gene durch seinen Glauben mit und so verändert er sie. Der Glaube an das Gute verändert den Menschen zum Guten. Glaubt er an das Negative, so formt er seine Genom negativ, er zerstört sich.
Das Ein- bzw, Ausschalten bestimmter Genome wird auch bestimmt von Umwelteinflüssen, Erlebnissen, guten oder belastenden Erfahrungen. Diese werden im Nervensystem gespeichert und wirken dann auf die Funktionsfähigkeit der Gene.

4.Teil

So wie es in der biologischen Natur trotz Zerstörung, Krankheit und Zerfall, die Immunitätskräfte gibt,  so gibt es auch in der geistigen Natur des Menschen, trotz Sünde, Unrecht und Leiden höchst heilsame Kräfte, wie Güte, Wahrheit, Schönheit, Einheit, Liebe.
Wer sich den Gesetzmäßigkeiten des Geistes zuwendet, wendet sich der Gesundheit zu, denn die TS sind Qualitäten und Eigenschaften des Seins und Quellen jeglicher Gesundheit.
Die Erfahrung zeigt, dass schon das Hören und Nachdenken über die geistige Gesundheit Erfolge zeigt.
Zeugniss: Schon ein Satz von unserm Gründer Prof. Ivancic hat mich bewogen ihn und die Hagiotherapie kennenzulernen. „Nimm dein Kreuz an und es ist weg.“
In der Hagiotherapie wird nicht die Krankheit behandelt, sondern die Gesundheit wird dahin gebracht wo sie fehlt.
Bei der Therapie des Geistes wird nicht die Sinnlosigkeit analysiert, sonder es wird der Sinn angeboten, nicht die Depression behandelt sondern Vertrauen und Liebe gestärkt, nicht der Selbstmord studiert, sonder Lebenssinn und Nutzung der eigenen Talente ermöglicht, nicht die Aggressivität analysiert, sondern das absolute geliebt sein bewusst gemacht, es wird nicht über Abhängigkeiten diskutiert, sonder es wird die Freiheit vermittelt.
Denn wo die Gesundheit stark wird, muss die Krankheit weichen. Wo der Sinn des Lebens gefunden wird, wird die Sinnlosigkeit weichen. Wo die Abhängigkeiten verschwinden, kann sich die Freiheit entwickeln.
Hagiotherapie erfordert die Mitarbeit des Hilfesuchenden. Alle geistigen Medikamente sind ohne schädliche Nebenwirkungen.

Zusammenfassung:

Was ist wichtig?
Ich brauche eine Sicherheit die allmächtig ist.
Ich muss wissen, wem ich gehöre, wer ich bin und zu wem ich zurückgehe.
Ich muss wissen, dass ich bedingungslos geliebt bin und nicht verurteilt werde.
Ich muss an das Gute glauben, dass Gute erwarten und selber mich für das Gute entscheiden. Der Mensch will gut sein, dass merken wir schon in den kleinen Dingen, die der Mensch tut und in den großen Dingen, die er kreiert und geschaffen hat.
Ich als Person entscheide, ob ich im Sein oder im Mangel leben will.
Der Sinn des Lebens ist das Gute.

Schau nach oben. Wer bist du eigentlich? Wie möchtest du sein? Fühlst du irgendwo in dir eine Freude? Hast du schon mal etwas getan, was du noch nie getan hast? Was ist dein Ziel? Das was du sein kannst ist deine Entfaltung. Jetzt trete ein in einen Bund mit dir. Sag zu dir selbst. Ich will, ich kann, ich werde es tun. Hab keine Angst. Wir werden es schaffen. Und dann, einfach anfangen.

 

MEDITATION

Gönnen Sie sich eine kurze Zeit des Atemholens für Ihren Geist, Ihren Körper und Ihrer Psyche! Gerne dürfen Sie diese Gedanken für sich selbst fortsetzen. Setzen Sie sich bequem hin, würdevoll, denn Sie sind wertvoll. Schließen Sie ruhig die Augen.
ICH BIN UM ZU SEIN
Ich bin jetzt hier, in diesem Raum.
Ich erspüre meinen Körper.
Ich habe Wahrnehmung.
Ich höre die Geräusche um mich herum.
Ich habe Ohren.
Ich nehme mein Gefühl wahr.
Ich habe wechselnde Gefühle.
Ich habe meinen Verstand, mein Gedächtnis.
Ich habe einen Namen.
Aber:
WER BIN ICH?
ICH BIN ein Mensch.
ICH BIN ein einzigartiger Mensch, unverwechselbar, einmalig!
ICH BIN aus meinem Schöpfer hervorgegangen.
ICH BIN eine Person, gewollt und geliebt von meinem Schöpfer.
ICH BIN ewig, unzerstörbar, wie mein Schöpfer.
ICH BIN in jedem Augenblick in ihm geborgen.
Mein Schöpfer ist die Güte, die Wahrheit, die Liebe und die Schönheit.
Lebe ich in der Güte, wie mein Schöpfer, dann BIN ICH.

Ist die Wahrheit der Maßstab meines Lebens, dann BIN ICH.
Lebe ich die Liebe zu mir und zu meinen Mitmenschen, dann BIN ICH.
Erkenne ich die Schönheit der Schöpfung und meines Menschseins, dann
BIN ICH.
ICH BIN ICH!
Jeden Tag neu darf ich ein wenig mehr dieses einmalige ICH werden.