Erfolg lässt sie weitermachen

GLAUBE Hagio-Therapie soll seelische Wunden heilen helfen

Die Hagio-Assistenten Adjelka Ferincevic, Bernd Faßbender, Waltraud Malm.

LIMBURG Eigentlich sollte es nur ein Projekt für zwei Jahre werden. Doch der Erfolg lässt Bernd Faßbender weiter machen. Das Limburger Hagio-Zentrum soll zu einer festen Institution werden. Neben Faßbender gibt es inzwischen weitere Hagio-Assistenten.

Beten und man wird gesund - so einfach ist die Hagio-Therapie nicht. Und doch geht es bei der kroatischen Lehre darum, durch die Heilung des Geistes mit Hilfe des Glaubens auch den Körper zu mehr Ausgeglichenheit zu führen. Denn: "Körper und Geist sind untrennbar miteinander verbunden", sagt Faßbender.

Er selbst stammt aus dem kirchlichen Kontext, ist Diakon, war aber auch Unternehmer. Zur Hagio-Therapie fand er, weil er gemobbt wurde. Er war am Boden zerstört, geistig wie körperlich, als ihm ein Buch von Tomislav Ivancic in die Hand fiel, dem Begründer der Hagio-Therapie. Faßbender ist überzeugt: "Wenn ich das nicht gelesen hätte, würde ich heute nicht mehr leben". Er ist wohl ein gutes Beispiel für das, was viele Befürworter des Therapie-Ansatzes berichten: Durch die Beschäftigung und das Lernen hagio-therapeutischer Ansätze heilen sie sich selbst.

Faßbender wollte seine Erfolge teilen. Mit finanzieller Unterstützung seiner Bernd-Faßbender-Stiftung gründete er das Limburger Hagio-Zentrum in der Diezer Straße. Und ist von dem Erfolg nach zwei Jahren aktiver Arbeit heute selbst überrascht. "Wir können das Zentrum eigentlich gar nicht mehr dicht machen", sagt er. Einmal im Monat findet ein Vortrag im Hagio-Zentrum statt - meist vor vollem Saal. Und zu Faßbender haben sich weitere Hagio-Assistenten gesellt.

Adjelka Ferincevic aus Braunfels, selbst Kroatin wie Gründer Ivancic, und Waltraud Malm aus Weroth sind die ersten beiden Assistentinnen, die ihre Prüfungen nicht in Zagreb, sondern in Deutschland abgelegt haben. Im Team von Faßbender sind sie die neuesten Mitglieder. "Im Grunde vermitteln wir nichts anderes als die christliche Botschaft", sagt Malm. Nur verstünde die in der Sprache der Amtskirche heute fast niemand mehr.

Deshalb nutzt die Hagio-Therapie ein moderneres, naturwissenschaftliches Sprachbild. Als Kritik an der Amtskirche möchte das Ferincevic nicht verstanden wissen. "Wir sind alle gläubig und in der Kirche aktiv", sagt sie. Zugleich vertritt sie aber auch die Meinung: "Religion kann krank machen. Glaube nicht". Malm sagt, in der Hagio-Therapie werde die frohe Botschaft auf andere Art vermittelt.

In der Hagio-Therapie soll insbesondere der dunkle Gedankenstrudel aus Selbstzweifel und überzogener Kritik aufgebrochen werden - es wird Resilienz aufgebaut, wie es in der medizinischen Sprache heißt; Widerstandsfähigkeit. Nächstenliebe und Selbstliebe sind, wie im christlichen Glauben, zentrale Motive der Therapie. Dabei betont Faßbender aber: "Wir wenden uns an Katholiken und Protestanten, an Muslime und Atheisten - an alle Menschen, die Hilfe brauchen". Letztlich würden alle Religionen an den gleichen Schöpfergott glauben - und Ferincevic ergänzt: "Und auch die Atheisten wollen das Gute".

Faßbender ist überzeugt: "Wenn jemand wegen Hilfe zu mir kommt, und ich sage ihm nur, er solle drei Rosenkränze beten, dann geht er wieder". Vielmehr gehe es um das Zuhören. Um das Erkennen und Aufbrechen verkrusteter Strukturen und Denkmuster. Um das Wiederentdecken verloren geglaubter Lebensfreude.

In Limburg ist die Beratung kostenfrei. Die Ausbildung zum Hagio-Assistenten finanzierten Malm und Ferincevic hingegen selbst. Dazu mussten sie eine Vielzahl an Vorträgen besuchen. Sie finden in Kroatien, Europa, in Deutschland und teilweise auch in Limburg statt. Drei Besuche an der Wirkungsstätte von Ivancic waren nötig, eine detaillierte Verschriftlichung des eigenen Leidens- und Heilungswegs und über begonnene Behandlungen. "Das Studium ist wichtig, aber ebenso wichtig ist die Praxis", sagt Ferincevic.

Die Prüfungen der beiden neuen Assistentinnen haben noch zwei Kroaten abgenommen. Dort fand die Hagio-Therapie nach Ende des Krieges in den 1990'er Jahren große Verbreitung. Künftig aber soll das System aus Prüfungen, Studien, Lehren professionalisiert und an die heimischen Gruppierungen übertragen werden. Ivancic hat Faßbender damit beauftragt, dabei die Leitung zu übernehmen.

Der Limburger soll Strukturen schaffen, um die Hagio-Therapie bekannter zu machen - etwa durch Schnupperkurse. Mit mehr als 70 Jahren. Faßbender hatte bereits einmal aufgegeben. "Jetzt sprühe ich vor Energie", sagt er. Und freut sich, dass sein auf zwei Jahre angelegtes Projekt im beschaulichen Domstädtchen eine Perspektive für die Zukunft hat, die er selbst noch begleiten darf.

Von Malte Glotz erschien im "Weilburger Tagblatt" am 6. Januar 2016

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