Barmherzigkeit, Verzeihen, Versöhnen

Wie gibt es Frieden für mich und die Menschen??

Vortrag im Hagio-Zentrum-Limburg von Diakon Bernd Faßbender am 19.07.2016 um 19.00 Uhr

Bernd Faßbender

1.) Barmherzigkeit:

Im Wort Barmherzigkeit ist das Wort Erbarmen enthalten. Bei Wikipedia heißt es dazu:  

Starke innere Anteilnahme am Leid oder an der Not anderer, verbunden mit dem Drang, ihnen zu helfen oder sie zu trösten.

Die Erfahrung lehrt uns, dass der Mensch Erlösung braucht. Er braucht die Hilfe eines Anderen, der stärker ist als der Mensch selbst. Wenn du also bemerkst, dass deine Kämpfe vergeblich sind, dann gehe zu deinem Schöpfer. 

Das Wesen Gottes ist, dass er absolut gut ist! Er ist die Güte selbst. Sein Wesen ist die Barmherzigkeit! Ein unermesslich guter Gott wünscht nichts mehr als deinen Mangel auszugleichen, wieder gut zu machen was dir fehlt und dich zu heilen, wo du verletzt, zerstört und traumatisiert bist. Denn das Böse ist Mangel an Gutem. Wo Mangel herrscht stellt Gott, der die Quelle der Güte ist, die Güte wieder her. 

Es gilt zu begreifen, dass auch die anderen nicht aus eigener Kraft besser werden können. Deine Kinder können nicht ohne dich besser werden, sie brauchen deine Güte, deine Liebe und dein Vertrauen. Deshalb bedränge nicht ewig deine Kinder und die Menschen um dich herum! Verlange nicht von ihnen, dass sie selbst besser werden! Sie werden das nicht schaffen! Sie werden nur beginnen dich zu hassen. Sie werden annehmen, dass du sie nicht liebst, weil du Unmögliches von ihnen verlangst. Du wirst nur erleben, wie ohnmächtig sie sind. Die Lösung liegt eben in der Barmherzigkeit. Sei barmherzig! Lobe das Gute in ihnen, auch wenn es erst ganz wenig ist! Sage ihnen, dass sie wertvoll sind und dass du an sie glaubst. Sag ihnen, dass sie es schaffen können, alles Negative zu überwinden. Sage, dass du daran glaubst, dass sie es schaffen werden. Durch dein Vertrauen und deine Liebe vermittelst du ihnen die Güte. Allmählich werden sie es schaffen und ihr werdet sehen, dass man durch die Güte alles Gute schaffen kann. 

2.) Vergebung:

Die Vergebung ist in der Hagiotherapie ein Supermedikament, Prof. Ivancic nennt die Vergebung das Antibiotikum in der Hagiothereapie schlechthin.
Vergebung macht gesund.

Wir alle haben unsere Verletzungen und Wunden, ohne sie geht ein Leben nicht vonstatten. Und dann ist es so, dass wir aus unseren Wunden und Verletzungen heraus handeln und dabei  begrenzt sind, weil wir glauben unser Leben schützen zu müssen. 

Nicht verziehenes Unrecht, das ich erlitten habe führt oft einmal bis zu einem starken Hass, der mich innerlich regelrecht auffressen kann. Angst entsteht, die sich nicht auflösen lässt, weil die Angelegenheit und alles, was damit zusammenhängt, verdrängt wird. Das Leben wird schwer. Körperliche Symptome sind z.B. auch Migräne, seelische Symptome z.B. Depresion. Der Mensch leidet also, die Verletzung überschattet sein Leben, manchmal viele Jahre lang. Symptome sind Schuld, Angst, Abhängigkeit, Leid. Von so einem Schmerz, von so einem Leid muss ich mich befreien. Und ich kann mich nur durch die Vergebung davon befreien. Vergebung heißt frei werden von negativen Bindungen, die mich lähmen und frei werden für ein neues Leben.

4 Schritte der Vergebung wagen:

  1. Ich entscheide mich jetzt dafür, den Menschen, die mich verletzt  haben, zu vergeben, soweit es mir möglich ist. Ich brauche ihnen das nicht zu sagen. Ich vergebe jetzt. Ich werde das, was gewesen ist, nie mehr gegen sie verwenden.
  2. Ich bitte auch diese Menschen um Verzeihung für das, was ich an ihnen gefehlt habe. Wie sie habe ich auch nur versucht, mich und mein Leben zu schützen.
  3. Ich danke für diese Menschen. Sie sind wie ich geliebte Kinder Gottes. Es ist gut, dass es sie gibt. Sie haben mich mit der Vergebung und der Liebe des Schöpfers in Berührung gebracht.
  4. Ich versuche diese Menschen anzunehmen, sie zu sehen, wie der Schöpfer sie gewollt hat. Sie mit seinen Augen zu sehen, Augen des Mitleids und des Erbarmens. Ich nehme sie an.

3.) Versöhnung:

Bei Wikipedia steht: Das Verb Versöhnen hat sich aus dem mittelhoch-deutschen Wort versuchen entwickelt, das zum Stammwort Sühne gehört.

Versöhnung ist dort dringend notwendig, wo es zwischen Menschen zu Unruhe gekommen ist, wo das friedliche Miteinander verloren gegangen ist. Durch den Verlust des Friedens gefährden sich Menschen gegenseitig und es entstehen Spannungen zwischen ihnen. Der Verlust des Friedens führt auch zum Krieg und erzeugt im Menschen Aggressivität, Feindseeligkeit und eine abwehrende Haltung.

Für echte Versöhnung müssen beide Seiten zu Reue und Vergebung bereit sein. Versöhnung gelingt dann, wenn in einem Gespräch beide Seiten sich zu erklären versuchen und dann ihre Entschlossenheit bekunden, das frühere friedliche Miteinander wieder herstellen zu wollen. Bereits die Entscheidung zur Vergebung befreit den Menschen von Zweifeln und Vorurteilen, von Unruhe und Angst. Daher ist das Verzeihen eine überlegene, intelligente und weise Tat, die auch du vollbringen kann. Wenn wir uns ihnen gegenüber ändern, dann verändern auch sie sich uns gegenüber. Was ist zu tun, damit das geschieht?

Zunächst schauen wir mit unseren geistigen Augen denjenigen an, mit dem wir uns versöhnen möchten. Dann sagen wir im Geist zu ihm: „Ich vergebe dir“; und dann: „Vergib auch du mir“; dann: „Ich liebe dich“; oder:“Ich wünsche dir alles Gute“; dann: „Ich bin für dich dankbar“. Wenn nämlich unser Gegner auf geistiger Linie unmittelbar erkennt, dass wir ihm nicht Feind, sondern Freund sind, ändert er sich gründlich und möchte auch seinerseits eine gute Beziehung zu uns herstellen. Das ist die Grundlogik des Lebens. Anderern Seite her und damit Versöhnung erreichen.

Das besondere auf diesem Weg zur Geistesgesundheit ist der Glaube an Verzeihung und Versöhnung. Sobald wir bereuen, wird uns vergeben, denn in der Tiefe der Geistseele reagiert jeder Mensch positiv und vergibt. Zudem wird, wie gesagt, durch unser Verzeihen der andere angeregt, wir wirken auf ihn ein, da er unmittelbar über die geistige Konstitution von unserer Einstellung erfährt und glaubt, dass ihm vergeben wurde. Er erlebt das Vertrauen in uns, begreift, dass wir für ihn keine Gefahr und keine Bedrohung darstellen und kann sich so uns annähern. Wenn wir ihm verzeihen, wird auch uns verziehen, wenn wir bereuen, wird uns sofort verziehen, wenn wir lieben, werden auch wir geliebt. 

Seite drucken nach oben