Der Mensch ist ein Beziehungswesen

Wie bewältige ich Konflikte in zwischenmenschlichen Beziehungen?

Vortrag von Hagioassistentin Rosemarie Köchling, Oberursel im HZL Hagio-Zentrum-Limburg am 12.12.2016

Rosemarie Köchling

Der Mensch ist im Wesentlichen ein soziales Wesen und damit auf Beziehungen angelegt. Er wird vom Menschen geboren und von anderen Menschen ins Grab gelegt, andere helfen ihm beim Wachstum und bei Lebensproblemen. Andere tragen, behüten, lieben und erziehen ihn in seiner Abhängigkeit während der frühen Kindheit und bereiten ihn auf das Leben vor.Dieser Mensch bringt auch wieder andere Personen zur Welt, erzieht sie, sorgt für sie und wirkt mit ihnen zusammen. Ohne Mitmenschen ist der Mensch hilflos.Es gibt das „Von alleine“ und das „Angewiesen sein“ auf Andere. Der Mensch lebt und entwickelt sich ohne sein Zutun, sein Herz schlägt und alle Organe funktionieren selbständig. Er atmet von alleine und die Luft dazu ist auch kostenlos da. Jeder Mensch sehnt sich nach Liebe, Partnerschaft und Gemeinschaft, dazu braucht er wieder die Anderen.Gute zwischenmenschliche Beziehungen sind für den Menschen lebensnotwendig und doch können sie nicht problemlos entwickelt werden. Gutes und Böses vermischen sich in den Beziehungen.Geht alles gut, beurteilt der Mensch seine Beziehungen zu den Mitmenschen in höchsten Noten. Wenn es aber zu Konflikten kommt, erfährt alles eine Umkehrung. Der Mensch bekommt den Eindruck, dass es am besten wäre, mit den Mitmenschen überhaupt nicht mehr zu kommunizieren, in die Einsamkeit zu gehen und sich gegenüber seiner Umwelt zu verschließen.Daraus wird klar, warum zwischenmenschliche Konflikte und Böses gegen den Anderen, die Menschen auf allen Ebenen seines Wesens schmerzen und schwächen kann.Trotzdem haben Konflikte im zwischenmenschlichen Bereich einen Sinn. Denn in allen äußerlichen Auseinandersetzungen sind bereits geistige Prozesse zugegen. Die Prozesse der Auseinandersetzungen trainieren die psychischen und sozialen Fähigkeiten des Menschen, sie dienen dem geistigen Reifungsprozess seiner ureigensten Persönlichkeit, seines wahren „Ich`s“. Dieses einzigartige „Ich“, das der Schöpfer jedem Menschen eingegeben hat.

Wie kommt der Mensch zu seinem „Selbstbewusstsein“?
Der Mensch braucht existenzielle Sicherheiten. Z.B. Gutes zu tun und Schlechtes zu meiden sind grundlegende moralische Gewissheiten. Es muss wissen, woher er kommt, wer er ist und wohin er geht. Er muss wissen, dass er von seinem Schöpfer gedacht, erschaffen und gewollt ist und von ihm bedingungslos angenommen, bejaht und geliebt ist und am Ende seines irdischen Lebens zu ihm zurückkehrt.
Wenn ich mich bejaht fühle, kann ich auch zu mir „ja“ sagen - so wie ich bin. Dadurch werde ich fähig, mich zum Guten zu verändern und auch den Anderen anzunehmen wie er ist und versuchen, ihn zu verstehen.
Wenn ich mich bemühe, den Anderen zu verstehen, dann verstehe ich mich auch selber besser, entwickle Mitgefühl gegenüber dem Anderen und eröffne die Möglichkeit zur Kommunikation und Versöhnung.
Meine eigene Veränderung führt zur Veränderung jenes Menschen, zu dem ich eine bessere Beziehung haben möchte. Ich muss zuerst selber das sein, was ich vom Anderen erwarte.

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