Vortrag von Ivo Lukic, Zagreb im Hagio Zentrum Limburg am 20. September 2016

Thema: Zurück zu einem Leben in Fülle Abweichungen vom Guten rückgängig machen

Ivo Lukic, Zagreb

Wer hätte es nicht gern, das Leben in Fülle? Aber wie lässt es sich erreichen? Wie kommt es, dass in einer der reichsten Gesellschaften der Welt viele Personen trotz materiellen Wohlstandes innerlich in einem Gefühl des Mangels an Wesentlichem leben?

Am Dienstagabend, den 20. 09. 16 referierte im HZL Hagio-Zentrum-Limburg Ivo Lukic, der Kontaktmann der Gemeinschaft „Gebet und Wort“ für den deutschsprachigen Raum, vor knapp 20 Zuhörern zum Thema „Zurück zu einem Leben in Fülle – Abweichungen vom Guten rückgängig machen“.

Der Spezialist für die Geistseele des Menschen forderte zunächst dazu auf, sich von allem Negativen zu lösen, das einem am heutigen Tag getroffen habe, um den Intellekt zu befreien und aufnahmefähig zu werden für etwas Gutes, für etwas Neues.

Im gemeinsamen Nachdenken über die Existenz des Menschen wurde klar, dass der Mensch nicht aus sich selbst ist, sondern, dass seine psychophysischen Eigenschaften von den Eltern, das Kostbare in ihm - seine Person, sein Leben und sein innerstes Wesen - jedoch von einem größeren Sein her stammen: einem liebevollen, wertschätzenden Schöpfer voller Güte, Wahrheit, Schönheit und Einheit.

In lebendigem Kontakt mit diesem Dasein, oder anders gesagt diesem Schöpfer zu stehen, sei die Grundlage für die Gesundheit des Menschen. Er forderte jeden Zuhörer dazu auf, kurz in sich zu gehen und zu versuchen, die Spuren des Schöpfers in der Schöpfung, der Natur um uns herum zu entdecken und ein Staunen in uns wach werden zu lassen: über die Schönheit, die uns entgegen kommt in den Farben des Herbstes, im spezifischen Licht dieser Jahreszeit, in der Schönheit und im Geschmack der Früchte, die von der Natur als Geschenk hervor gebracht werden. Das alles sei wie eine Liebeserklärung des Schöpfers an den Menschen. Diese Liebeserklärung gelte es zu erwidern.

Die Frage kam auf, ob ein jeder Zuhörer fähig sei, auch in sich selbst Spuren dieses Schöpfers zu erkennen.Wie geht es uns, wenn wir in den Spiegel schauen? Kritisieren wir unser Aussehen oder sehen wir ein vom Schöpfer geliebtes Wesen, ein kostbares Unikat, ein unverkäufliches, freies mit menschlicher Würde bekleidetes Original?

Im Verlauf stellte sich die Frage nach dem Wohin des Menschen. Es wurde bewusst, dass in vielen Menschen eine tiefe Sehnsucht nach unzerstörbarem Leben wohnt. Dass der Mensch sich danach sehnt in seiner Tiefe erkannt und anerkannt zu werden. Dass er durch Anerkennung ein Gespür für seinen Wert und seine Würde vermittelt bekommt. Zugleich fühle sich das irdische Dasein jedoch mit all seinen Begrenzungen und Mängeln für Viele eher wie ein Gefängnis an.

Das Bewusstsein ein auf Güte, Wahrheit und Liebe hin geschaffenes Wesen zu sein, bewirke eine Änderung des Erlebens. Dieses Bewusstsein könne jeder Person helfen, ihren Sinn zu entdecken, sich trotz aller Schwierigkeiten innerlich aufzurichten und sich für diese großen Werte zu entscheiden. So entwickle die Person ein lebendiges Bild von sich selbst: Ich bin nicht das, was ich bin! Ich bin das, was ich sein kann. Ich bin ein Projekt, entwicklungsfähig und nach oben offen, unbegrenzt. Stets kann ich wachsen.

Um in diesem lebendigen Austausch mit sich selbst und dem Schöpfer zu sein, sei es wichtig, seine Vergangenheit zu bereinigen. Vergebung sei hierzu der Schlüssel. Vergebung sei ein Akt des Willens und der freien Entscheidung. Sie bewirke, dass der Mensch seine inneren Lasten loslassen könne und eine neue Harmonie verspüre. Dabei sei der Schöpfer immer auf und an der Seite seines Geschöpfes. Vergebung mache denjenigen, der vergibt, zum Sieger. Konkret empfahl der Referent hier 4 Schritte, die von vielen Menschen erprobt und als lebensverändernd erlebt wurden:

  1. in Gedanken zu einer Person, zu der meine Beziehung belastet ist, gehen und ihr zusprechen: Ich vergebe dir. Ich lasse los, was zwischen uns geschah. Ich will dich in einem neuen Licht sehen. Mein Herz soll frei sein.
  2. ohne Worte, nur im Geiste sagen: Bitte vergib auch mir. Sieh mich bitte neu in einem anderen Licht, so, wie ich wirklich bin.
  3. sich selbst zusprechen: Es wird gut. Alles wird gut. Der Mensch ist fähig zum Guten. Ich entscheide mich für das Gute und fange bei mir selbst an.
  4. dem Schöpfer danken für die andere Person, ihn bitten diese Beziehung zu erneuern und sich bei der nächsten Begegnung im Leben daran zu erinnern, dass man diese 4 Schritte gegangen ist.

Als Hausaufgabe für den gleichen Abend empfahl der Referent über Etwas zu staunen. Mit dem Staunen beginne das Lernen von etwas Neuem. Zudem sprach er den Rat aus, sich eine Stunde am Tag für das Staunen zu reservieren, für eine freiwillige kleine Arbeit oder kindliches Spiel, für das Nachdenken oder Träumen, für Freundlichkeit und Lachen, für Versöhnung und Liebe, für gute Gedanken und den Blick für das Schöne. Sich diese Zeit nicht stehlen zu lassen sei der Beginn der Fülle des Lebens.

Der nächste Vortrag in dieser Reihe findet am 18.10.2016 wie immer um 19:00 Uhr im HZL Hagio-Zentrum-Limburg statt. Das Thema lautet: „Wer ist der Mensch? Was macht ihn einzigartig?“ Die Referentin ist Frau Waltraud Malm, Pastoralreferentin und Hagioassistentin aus Weroth.

 

Autorin: Barbara M. Auer, Teilnehmerin und Hagioassistentin

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