Vortrag Waltraud Malm am 14. 2.2017 im Hagio-Zentrum-Limburg

Thema: „Hagiotherapie im Alltag – Tägliche Einübung guter Gedanken und Worte“

Waltraud Malm

Beginnen möchte ich meinen Vortrag mit einer Geschichte. Diese Geschichte habe ich im Oktober letzten Jahres schon einmal im Vortrag erzählt, aber sie passt auch zum heutigen Thema ganz ausgezeichnet, weil sie einen wichtigen Gedanken in der Hagiotherapie verdeutlicht, nämlich die Verstärkung des Guten im Menschen. Es ist eine Indianergeschichte:

Die beiden Wölfe leben in mir, in meinem Inneren, meiner Seele, meinem Geist, meinem Herzen. Mein Inneres, das bin ich selbst, meine eigen Existenz, mein Ich. Was sich in meinem Inneren abspielt, sollte mir nicht gleichgültig sein. Auf jeden Fall sollte ich Herr der Lage bleiben, die Zügel in der Hand behalten. Aber wie geht das?

Viele Menschen fühlen sich dem, was in ihnen vorgeht, ausgeliefert: Negative Gedanken, schlechte Gefühle, der Beginn einer Krankheit, dagegen kann ich nichts tun. So denken viele. Menschen greifen mich an, erniedrigen mich, ich bin wohl wirklich schlecht. Depression macht sich breit.

Die Hagiotherapie sagt: Das Gute und Gesunde in mir kann ich hegen und pflegen. Das Böse, Schlechte und Krankmachende in mir kann ich aushungern. Auf welchem Gebiet tue ich das?

Ich beginne mit meinen Gedanken und prüfe sie: Welche meiner Gedanken sind gut und welche sind schlecht? Die schlechten will ich hinauswerfen, vor allem negative Urteile über mich selbst, z. Bsp. Ich bin ungebildet, ich bin nichts wert, ich habe nie Erfolg, ich kann nicht reden usw. Solche Gedanken muss ich nicht denken, niemand kann es von mir verlangen.

Dann wende ich mich den guten Gedanken zu, beschäftige mich mit ihnen, pflege sie, spreche sie aus, wiederhole sie, z. Bsp.: Ich habe immer eine Möglichkeit, es ist nie zu spät, dieses Vorhaben wird mir bestimmt gelingen usw. Für das Pflegen guter Gedanken brauche ich ein Fundament. Gute Urteile über mich selbst kann ich nicht einfach erfinden, sie müssen auch wahr sein. Wie kann ich also eine gute Beurteilung meiner eigenen Person und auch eine gute Beurteilung der Welt um mich herum begründen? Begründen kann ich alles, was auf festem Grund steht, was ein Fundament hat. Das Wort begründen entstammt ja dem Wort Grund.

Die Hagiotherapie begründet das gute Denken auf philosophische Art.

Man beginnt mit der Feststellung, dass alles, was es gibt, irgendwo herkommen muss. Alles hat eine Quelle oder einen Ursprung, z. Bsp.: Jedes Kind hat Eltern, jede Pflanze entsteht aus einem Samen usw. Wenn ich in Gedanken zurückgehe bis zur Entstehung der Welt, erkenne ich: Vor unvorstellbar langer Zeit muss es eine einzige Ursache gegeben haben, aus der Alles hervorgegangen ist. Diese Ursache, welche der allererste Ursprung von allem ist, kann nicht so etwas wie ein Same sein. Denn auch ein Same ist aus etwas anderem hervorgegangen. Der allererste Ursprung von allem kann nicht aus etwas anderem hervorgegangen sein, sondern muss aus sich selbst und in sich selbst schon ewig vorhanden sein, d. h. schon bevor es Raum und Zeit gab.
Wir Menschen können uns so etwas wie diesen Ursprung von allem nicht vorstellen, aber durch Nachdenken erkennen wir, dass es ihn geben muss. Durch weiteres Nachdenken können wir weitere Erkenntnisse gewinnen. Zum Beispiel können wir erkennen, dass der einzigartige Ursprung von allem gut sein muss.

Wenn er nicht gut wäre, hätte er nicht das Universum hervorbringen können, welches in sich gut ist.

Für diese Aussage führen wir Beispiele aus der Biologie an: Eine Eiche bringt durch ihren Samen immer nur Eichen hervor, der Hund bringt immer nur Hunde zur Welt, der Mensch kann nur Menschenkinder hervorbringen. Daher sagen wir im Umkehrschluss: Der Ursprung einer Schöpfung, die in sich gut ist, muss selbst gut sein. Dieser Ursprung muss sogar absolut gut sein, weil er das Gut sein“ nicht von einer Quelle außerhalb hat, sondern alles in sich hat. Der erste Ursprung von allem muss selbst reine Güte sein. In der Philosophie heißt dieser Ursprung von allem: das Sein. Damit will die Philosophie sagen: Alles, was es gibt, ist. Alles, was es gibt, hat Sein. Alles, was es gibt, hat Sein vom absoluten, ewigen Sein.

Die Schlussfolgerung der Philosophie lautet daher: Alles, was es gibt, muss einen Ursprung haben. Der Ursprung von allem ist das Sein, und das Sein ist gut.

Auf mich selbst bezogen heißt das: Ich bin gut, denn der Ursprung von allem, der auch mein Ursprung ist, ist selbst die reine Güte und bringt nur Gutes hervor. So kann ich durch philosophische Schlussfolgerung dazu kommen, mich selbst und die Welt um mich herum für gut zu halten. Natürlich reicht das reine Denken nicht aus, es muss auch der Glaube dazu kommen. Das Thema Glaube müsste aber in einem eigenen Vortrag besprochen werden.
Für das heutige Thema „Tägliche Einübung guter Gedanken und Worte“ hat mir ein Vortrag der Ärztin Elzbieta Gaczkowska gute Argumente geliefert, den ich selbst am Wochenende bei einem Seminar unserer Gemeinschaft in Fulda gehört habe:

Die Geistseele aus der Sicht der Hagiotherapie“

Die Genetik, Wissenschaft von den Genen, hatte bisher behauptet, das Gene unverändert weitergegeben werden, dass wir Menschen Opfer der Vererbung sind und dass die Gene unser Schicksal bestimmen. Diese Lehre heiß genetischer Determinismus und war bisher das Dogma der Wissenschaft. Die Folge dieses falschen Dogmas war die Meinung: „Ich bin nicht verantwortlich für mein Verhalten“. Der moderne Mensch denkt: Das sind alles die Gene, dagegen kann man nichts tun. Folge: Menschen erwarten z. Bsp. Krankheiten, die angeblich in ihren Genen angelegt sind.

Die neue Wissenschaft von den Genen heißt Epigenetik. Diese Wissenschaft erforscht, wie die Umgebung die Genaktitvität steuert, wie die Umwelt mit unserem genetischen Material spricht, wie der Mensch selbst seine Gene beeinflusst. Wie denke ich, wie handle ich, welche zwischenmenschlichen Beziehungen pflege ich? Gene werden ein- und ausgeschaltet. Das nennt man Genregulation. Für das Phänomen der Genregulation gibt es Beweise, das heißt: Gene sind veränderbar. Das Aus-und Einschalten der Gene sind chemische Prozesse, und das Ausschalten eines Gens lässt sich auch rückgängig machen. Genveränderungen können auch vererbt werden. Auch Traumata können vererbt werden. Aber sie können sich auch durch veränderte Umwelteinflüsse zurückbilden. Das Gedächtnis in der Zelle erinnert an den Stress. Die Erbsubstanz von Enkeln enthält auch Informationen über die Lebensbedingungen der Großeltern.

Die Gene steuern nicht unser Leben, sondern wir haben Einfluss auf unsere Gene. Ich habe Verantwortung, ich kann mein Leben optimieren. Ich bin verantwortlich, auch für nachfolgende Generationen. Ich kann etwas tun. Wir können unser Schicksal bewusst ändern. Unser Geist ist stärker als unsere Gene.

Prof. Ivancic zitiert häufig Dr. Bruce Lipton, einen Zellbiologen. Lipton hat erkannt, dass jede Zelle Bewusstsein und Entscheidungsfähigkeit hat. Er hat fest gestellt, dass nicht der Kern der wichtigste Teil der Zelle ist sondern die Membran. Lipton sagt: Ich war Agnostiker, aber ich bin ein spiritueller Mensch geworden (jede Zelle ist nicht nur eine biologische Sache sondern hat auch Geist ).

Deshalb sagt Prof. Ivancic: Es muss geistige Medizin geben. Der Geist existiert im Menschen von der Empfängnis an und kann alles aufnehmen. Bis zum sechsten Lebensjahr geschieht die Programmierung. Das Gehirn kann in dieser Phase noch nicht zwischen richtigen und falschen Urteilen unterscheiden. (Es nimmt also alles auf. Wenn es hört „Du bist dumm“, so glaubt es das.) Es bleibt ein Leben lang programmiert, bis es lernt, falsche Urteile umzuprogrammieren, weil sie Lügen sind.

Prof. Ivancic zitiert auch häufig Viktor Frankl. Frankl sagt: Im Unterbewusstsein des Menschen befindet sich Gott.

Das unbewusste Denken ist wie eine Festplatte. Was abgespeichert ist, wird immer wieder abgespielt. Dies kann jederzeit durch ein Bild, ein Wort, einen Duft oder eine andere Erinnerung ausgelöst werden. Das Unterbewusstsein hat Macht über uns. Die Programme sind oft fehlerhaft, oft durch Erbgut geschädigt. Das Programm wird sich immer wieder melden, wenn wir nicht achtsam sind. So entstehen Gewohnheiten. Wir müssen umprogrammieren von schlechten zu guten Gewohnheiten. Dies geschieht durch die Kreativität des Geistes, den freien Willen. Es ist wichtig zu sagen: Ich will, und es wird mir gelingen. Wir sind nicht Opfer der Programmierungen. Wichtig ist die Sammlung, da sich in der Zerstreuung die Programmierungen sofort melden. Durch Übungen werden neue Wege im Gehirn erschaffen, andere Reaktionen können gezeigt werden. Aber der Kampf mit dem Unterbewusstsein ist sehr schwierig. Wir können uns aber immer verändern, weil wir Einfluss haben auf die Gene durch den Geist. Der Geist ist unbegrenzt und unser Gehirn ist hungrig nach Aktivität.

Kommen wir zuletzt noch einmal zurück zu der Geschichte mit den Wölfen. Wissenschaftliche Forschung ist etwas sehr schwieriges und kompliziertes. Wissenschaftliche Erkenntnisse zu begreifen erfordert große Anstrengung. Eine gute Geschichte oder Parabel kann manchmal auf viel angenehmere Weise zur selben Erkenntnis führen wie ein langer wissenschaftlicher Vortrag.


Füttern wir den guten Wolf in uns.

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