Wie können die Entwicklung von Person, Leben, Gewissen, Vernunft, Verstand und Bewusstsein zu einem vitalen Dasein führen?

In dieser Vortragsreihe ging es um die geistigen Organe: Person, Leben, Gewissen, Vernunft, Verstand und Bewusstsein. Welche Versetzungen gibt es?, Wie wirken diese sich aus? Was können wir hagiotherapeutisch tun?

Vortrag: 8. August 2017, HZL Hagio-Zentrum-Limburg,

Vortragsreihe: „Allseitige Verwundungen des Menschen...“

 

Liebe an der Hagiotherapie Interessierte!

Ivo Lukic hat im Vortrag Nr. 1 Grundsätzliches unter dem Titel vorgetragen:

„Jeder Mensch hat geistige Wunden, die sein Leben beeinflussen. Wie können Wunden zu Schätzen des Lebens werden?“

Wir setzen die Vortragsreihe „Allseitige Verwundungen des Menschen..“ im Vortrag Nr. 2 fort und befassen uns nun mit einzelnen geistigen Organen, das sind heute:

Person, Leben, Gewissen, Vernunft, Verstand und Bewusstsein.

Ich hoffe, dass wir das schaffen, sonst lassen wir ein oder zwei weg. Am Ende wollen wir uns natürlich, wie immer Zeit, zur Aussprache nehmen.

1.) Einleitung + Grundsätzliches

Ehe wir uns mit der Behandlung der einzelnen geistigen Organe befassen, sollten wir Grundsätzliches kurz wiederholen:

Was ist die Geistseele:

  • Der Mensch ist Person, im Augenblick seiner Entstehung.
  • Mit Hund oder Katze kannst du nicht kommunizieren, nur mit einem anderen Menschen und mit Gott, zuerst mit dem Schöpfer.
  • Menschen können mir nicht all zu viel helfen, keiner weiß etwas. Der Schöpfer ist mein Schicksal und alles was ich brauche.
  • Unterscheiden wir in der Geistseele die "Person" von dem, was sie hat, das IST vom HABEN.

Jeder Mensch ist leidend. Er ist zugleich biologisches und anthropologisches Wesen und somit ist sein Leid allseitig und unabwendbar. Es befindet sich entweder auf der körperlichen oder auf der geistig-seelischen Ebene. Unsere Ureltern haben uns durch ihre Verstrickung in die Ursünde alle belastet.

Es gibt für uns existenzielle Zustände und Fragen, die wir nicht hinreichend beantworten können. Was sollen wir tun? Was können wir für unsere Befreiung tun? Wohin führt uns der Tod? Wie lange müssen wir hier leben? Warum können wir der dieser Welt des Leidens, der Sinnlosigkeit, der Schuld und es Nichtwissens entfliehen. Es ist leidvoll ein Mensch zu sein.

Wo aber ist der Schöpfer? Ist es möglich mit ihm zu kommunizieren. Wir leben auf zwei Ebenen, der körperlichen und der geistigen. Die psychophysische Ebene ist irdisch, die anthropologische und die theologische Ebene sind geistig bzw. himmlisch.

(Die Geistseele macht den Menschen zum Menschen. Sie stammt vom ewigen unsterblichen Schöpfer, sie ist nach Gottes Bild geschaffen. Als Atem Gottes ist sie deshalb unsterblich. Der leibliche Tod trennt die Geistseele von dem, was am Menschen Materie ist.)

Der Mensch ist ein Wesen im Dasein. Das absolute Sein (Gott) ist gut, der Mensch aber ist gut und böse. Das Böse ist ein Mangel an Gutem. Durch das Böse ist im Menschen ein Mangel an Leben und an der Existenz. Weil er nicht fähig ist vollkommen am Leben teilzunehmen zerstört und verwundet ihn das Böse.

In jedem Menschen ist sowohl das Gute, als auch das Böse gegenwärtig. Wenn der Mensch ständig das Böse tut, dann ist und wird er böse. Wenn der Mensch eine Krankheit aktiviert, dann ist er krank. Wie kann so eine Aktivierung aussehen? Anhand der Entdeckung der Neurowissenschaften wird klar, dass jeder negative und böse Gedanke Gehirnzellen schädigt, dass jedes böse Wort die Geistseele schädigt, dass böse Taten den Menschen seelisch und geistig erkranken lassen, was schließlich einen körperlichen Ausdruck finden kann.

Der Mensch ist eine Ganzheit aus Geist und Leib. Es gibt keinen menschlichen Leib ohne Geist und keinen menschlichen Geist ohne Leib. Jede Krankheit des Leibes oder des Geistes betrifft den ganzen Menschen. Wenn ein Organ krank ist, sagen wir, dass dieser Mensch krank ist. Bei der Hagiotherapie geht es nicht um den leiblichen und psychischen, sondern um den anthropologischen Organismus des Menschen. Also um die Organe der Geistseele und deren Verwundung.

Eine Verwundung ist nicht gleichzusetzen mit einer Erkrankung. Die Erkrankung bringt das menschliche Leben aus dem Gleichgewicht. Eine Krankheit ist zum größten Teil aktiv und eine Verwundung meist passiv. Eine Verwundung ist teilweise die Verletzung des Menschen, die ihn in seinen Fähigkeiten beeinträchtigt. Wegen Beleidigungen und Demütigungen greift der Mensch dann sehr oft zu Suchtmitteln (Alkohol, Drogen usw.). Er wird abhängig und sehr krank. Verwundungen im geistigen Organismus erzeugen nervliche und psychische Anspannung und damit Angst und Furcht, am Ende Krankheiten, die sich auch auf den Körper auswirken können. Das verlangt ständige Kontrolle und laugt den Menschen aus. Am Ende reagiert er in seiner Überforderung mit Wut. Hieraus entsteht die dringende Frage: „Ist es möglich, die Verwundungen des Menschen zu heilen?“ Die Hagiotherapie ist hierzu ein Ansatz und so wenden wir uns den einzelnen Organen der Geistseele zu, schauen auf deren Verwundungen und die Möglichkeiten der Heilung.

2.) Verwundung der Person:

Das Person-Sein ist die Mitte aller geistigen Organe. Es ist das menschliche Ich, seine Identität und sein Originalität. Als Person kommuniziert der Mensch mit anderen Menschen und ist als Person berufen, mit dem Schöpfer zu kommunizieren. Mit Pflanzen, Tieren und toter Materie kann er im eigentlichen Sinn keine Beziehung pflegen. Gott ist der einzige und allseitige Gesprächspartner, er ist die Person, von der man Antwort auf alle Fragen bekommen kann.

Wer bin ich? Warum existiere ich? Wem gehört die Welt? Woher bin ich auf diese Erde gekommen? Warum leide ich? Warum sterbe ich? Warum muss ich leben? Was wird mit mir geschehen?

Niemand ist für den Menschen so wichtig wie Gott. Es gibt nur das eine Sein, nur die eine Wahrheit, nur das eine Leben, nur die eine Lösung aller Fragen und die eine Heilung aller Krankheiten.

Person ist der Mensch, dessen Aufgabe es ist, die Natur zu gestalten, eine gerechtere Gesellschaft zu schaffen, Frieden zu bewahren, alle Geheimnisse der Welt, der Erde und des Menschen wissenschaftlich zu erforschen. Seine Person ist würdevoll, denn ihre Würde hat sie von Gott bekommen. Durch diese Würde besitzt sie Kräfte und Fähigkeiten zur Verwirklichung von Freiheit und Moral und trägt auch Verantwortung dem Schöpfer gegenüber.

Jegliche Verletzung, Kritik und Demütigung verwundet die Person und macht sie krank, depressiv und verloren. Der Mensch wir dadurch sehr geschwächt, er fürchtet sich vor den Mitmenschen, vor der Gesellschaft, er empfindet Schuld, er flieht vor der Verantwortung. Das Böse versucht die verwundete Person davon zu überzeugen, dass es keinen Gott gibt und dass es sich nicht lohnt, sich für eine bessere Welt einzusetzen, die Lust am Arbeiten erlahmt.

Nur die im Schöpfer gefestigte Person kann froh und glücklich sein. Sie geht sichern Schrittes voran, knüpft neue Beziehungen, findet Mitarbeiter, ihre Gesundheit wächst und in der Gesellschaft findet sie Unterstützung. Dem Gläubigen gibt Gott Stärke und Kraft. Wir dürfen durch unsere Verwundbarkeit nicht naiv und kurzsichtig werden!!

Was können wir hagiotherapeutisch tun?

Zuerst muss die Würde der verletzten Person wieder hergestellt werden. Sie muss von den Hemmnissen befreit werden, die sie daran hindern mit anderen Menschen und insbesondere mit dem Schöpfer zu kommunizieren. Gerade im Schöpfer hat die Person ein verlässlichesDu“, das ihr einen Sinn gibt und ihr seine Sehnsucht erfüllt. Dabei muss dem Patienten geholfen werden, sich selbst und alles Gute in sich zu lieben. Nur so wird er fähig, anderen zu vergeben und Andere um Vergebung zu bitten, um mit ihnen wieder Kontakt *zu bekommen. Zuvor muss er lernen, mit sich selbst zu kommunizieren, die Größe, Einzigartigkeit und Schönheit seines eigen Wesens zu erfahren. Dann kann er mit viel Vertrauen die erlittenen Verletzungen, Erniedrigungen und Ungerechtigkeiten übersteigen + überwinden. Verletzungen zerstören den Menschen, Reue und Vergebung erneuern und heilen ihn. Das ist ein grundlegendes Heilmittel für ihn selbst. Wer vergibt, dem wird vergeben, wer bereut wird ganz neu, wie es dem rechten Schächer auf Golgotha geschah.

Dem Patienten soll der Weg nach vorne aufgezeigt werden. Er wird lernen, sich selbst als Projekt zu sehen und auf seine Berufung, seine Sehnsüchte und Fähigkeiten zu schauen. Wenn er so vorgeht, wird er Heilung erfahren. Depression und Selbstmitleid verhindern die Genesung und seine Entwicklung. Die Person ist die Originalität, die der Schöpfer in den Menschen hineingelegt hat. Eine freie Person ist eine gesunde Person, während Verletzungen sie binden und unterdrücken. Der Blick auf den Schöpfer aber belebt und erhebt ihn in eine beglückende Entwicklung.

3.) Verwundung des Lebens:

Das Leben ist die Existenz der Menschen. Schon die geringste Bedrohung des menschlichen Lebens ist ein Angriff auf sein Existenz. Der Mensch tut alles, um sein Leben zu schützen und zu retten. Deshalb gibt es Polizei, Armee, Versicherungen, Türschlösser, Krankenhäuser, Ärzte, Medikamente, Absicherung gegen Diebe, Terrorismus und Übeltäter. Das Leben ist dem Menschen das Kostbarste. Jeder Bedrohung des Lebens wird sich der Mensch mit Verteidigung entgegen stellen. Wenn er dazu unfähig ist gibt es Tränen und Depression. Er reagiert mit Selbstmitleid, Drohungen gegenüber den Angreifer und Flucht-versuchen. Die schwerste Wunde, die dem Leben zugefügt werden kann, ist der leibliche Tod, dem niemand entfliehen kann.

Angesichts des Todes sieht es so aus, als gäbe es kein Leben oder das Leben hätte keinen Sinn.

Das Leben des Menschen wir am schwersten durch die Sünde verwundet. Wenn der Mensch Böses tut, quälen ihn Schuldgefühle. Es verletzt oder zerstört sein irdischen und himmlisches Leben. Auf der Erde wird er bestraft, indem er seiner Freiheit beraubt wird und ins Gefängnis muss; in den Himmel kann er nicht gelangen, weil er böse, ungerecht und damit schuldig geworden ist. Die Geistseele erwartet das Leben im Himmel, der Leib erwartet das Leben auf der Erde. Auf der Erde lebt der Mensch im Leib, im Himmel lebt die Geistseele, das heißt im Himmel lebt der Mensch als geistiges Wesen.

Der Leib stirbt durch physikalische Ursachen, die Geistseele ist durch geistig-seelische Ursachen bedroht. Wie es Krankenhäuser für leibliche Krankheiten gibt, so gibt es auch Krankenhäuser für geistig-seelische Krankheiten. Diese nennen wir Christen „Fegefeuer“ oder Reinigungsort. Die Sünde und das Böse können den Menschen aber auch für immer vom Himmel ausschließen. Den Tod der Geistseele des Menschen nennen die Christen „Hölle“. Von dort gibt es keine Rückkehr.

Der Mensch tut alles, um den leiblichen Tod hinauszuschieben und er hat auch alles Mögliche unternommen, um durch moralische und religiöse Praktiken den geistigen Tod zu überleben. Trotz alledem sterben Menschen sowohl den leiblichen als auch den geistigen Tod, denn niemand lebt ohne Sünde. Umfassende Gesundheit, Medikament und Arzt ist letzten Endes nur Gott, bzw. der Sohn Gottes, den der Vater gesandt hat, damit er den Tod besiege und das Leben erringe. Er allein ist fähig, alle Wunden zu heilen.

Was können wir hagiotherapeutisch tun?

Das Leben ist der Schöpfer selbst, es ist das Sein, es ist das größte Gut. Das Leben ist gut und der Tod ist böse. Alles, was in den Tod führt ist böse. Also sind Verwundung, Beleidigung, Mord, Krieg und Suizid böse. Um zu leben ist es notwendig, alles was in den Tod führt durch Leben, durch Güte und Wahrheit zu ersetzen. Erneuern wir das verwundete Leben. lassen wir uns hineinfallen in die Tiefe des Seins und der Güte. Die Begegnung mit dem historischen Jesus von Nazareth heilt und beschützt das Leben am sichersten. Er sagte von sich, er sei das Leben. Der Blick auf ihn heilt, belebt und erhebt den Menschen.

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Nun machen wir eine kleine Atempause in die ich sie mit einem kurzen Witz schicken möchte.



Witz: Warum betet Oma ständig und liest in der Bibel?? Sie bereitet sich auf die Aufnahmeprüfung vor!!

 

Wir sehen uns in 8 Minuten wieder und besprechen dann einzelne Organe.

4.) Verwundung des Gewissens:

Das Gewissen ist die Stimme des Seins sagen die anthropologischen Forscher. Das Gewissen ist die Stimme Gottes, sagt der Glaube. Es ist der Wächter, damit der Mensch Gutes tun und Böses meiden kann, dass er die Wahrheit annehmen und die Lüge ablehnen kann. Er kann sich über Schönheit und Liebe freuen und angesichts von Hass und Hässlichkeit traurig sein. Sich dem Gewissen zu widersetzen führt zum Tod, in den Verlust des Lebens und all dessen, was der Mensch verwirklichen und sein könnte.

Das Gewissen ist durch die Folgen der Ursünde verwundet. Daraus ergeben sich unzählige weitere Wunden, die dem Menschen gute Visionen auf die Zukunft nehmen. Es bedrücken ihn Angst, Depression, Hoffnungslosigkeit bis hin zum Suizid. Das Böse, das der Mensch aufgrund seines geschwächten Willens, aus Begierde oder Hass freiwillig tut, nennt man Sünde. Je mehr der Mensch sündigt, umso mehr leidet sein Gewissen. Ja, auch Zellen seines Körpers können dadurch zerstört werden. Wenn er schließlich die Fähigkeit verliert auf die Stimme des Gewissens zu hören, bedeutet das seinen geistigen Tod, er wird vom Bösen abhängig.

Der einzige Ausweg ist die Umkehr zu Gott. Die Wunden des Gewissens sind die größten Schmerzen, denn sie sind die größte Bedrohung der Geistseele, die Tür zum ewigen Ausgeschlossen-Sein. Der im seinem Gewissen belastete Mensch leidet jedoch auch im psychischen und im körperlichen Bereich, denn diese Belastung wirkt sich auf den ganzen Menschen aus, belebt doch die Geistseele den ganzen Menschen auf allen seinen Ebenen. Jeder negative Gedanke, jedes negative Wort oder jede negative Tat schädigen Gehirnzellen, schädigen das Leben im Menschen und alle anderen Organe seiner Geistseele. Deshalb ist das Hören auf das Gewissen grundlegende Voraussetzung für die Gesundheit des Menschen, für die Entfaltung seiner Kreativität, für ein erfülltes irdisches Leben und die Fülle des Lebens in der Ewigkeit.

Das Gewissen ist des Menschen Mitte, die Stimme des Himmels für die Erde, die Stimme Gottes für den Menschen. Deshalb wird das Böse das Gewissen immer angreifen und den Menschen verführen wollen, um ihn zu zerstören. Wenn jedoch der Mensch seinem Gewissen folgt, ist er fähig, sich dem bösen Geist zu widersetzen und seine Gesundheit zu stärken.

Was können wir hagiotherapeutisch tun?

Der Mensch muss zum Sein zurückkehren, denn dieses ist Güte, Wahrheit, Schönheit und Gemeinschaft. Er muss sich von schlechten Gedanken, Worten und Taten trennen, Lügen, Täuschungen, Ideologien und Feindschaften bekennen und bereuen und sich durch gute Gedanken, Worte und Taten in den Bereich des Guten begeben. Er muss verstehen lernen, was das Gewissen ist, wie es den Menschen heilt, erfreut, belohnt und ermutigt, wenn er die Wege des Guten beschreitet Er muss verstehen lernen, wie das Gewissen verwundet, schmerzt und zerstörerisch wirkt, wenn er in negativen Gedanken, in depressiven Worten und zerstörerischem Tun verharrt.

In der Güte, der Wahrheit und der Schönheit liegen Kraft, Leben und sichere Genesung. Die Güte ist der Vater, die Wahrheit ist der Sohn und die Schönheit ist der Heilige Geist. Das ist die Therapie für das Gewissen. Im Gewissen begegnet der Patient dem Schöpfer, im Gewissen vernimmt er dessen Stimme und beginnt, auf diese Stimme zu hören und zu antworten. Das ist der Weg zur Heilung des verwundeten Gewissens. Dann wird es möglich sein, Laster, Schuld, Abhängigkeiten und Bedrohungen zu besiegen.

5.) Verwundung der Vernunft:

Die Vernunft ist die umfassende und ganzheitliche Erkenntnisfähigkeit des Menschen, mit der er die Wirklichkeit als eine stimmige Gesamtheit sehen kann. Die Vernunft nennen wir auch Intellekt, vom lateinischen Wort „intellectus“, das bedeutet: innerlich zu lesen, die inneren Ursachen des Lebens und der Welt zu erkennen. Mit der Vernunft entwickeln wir die Philosophie, suchen nach dem Sinn des Lebens und all dessen, was existiert, fragen nach der Existenz des Schöpfers und entdecken Wege zur Begegnung mit ihm.


Die Vernunft gründet auf dem „Sein“, d.h. auf der Urexistenz, auf jener Wirklichkeit, die weder Anfang noch Ende hat. Deshalb kann der Mensch nur mit der Vernunft Sinn und Ziel seiner irdischen Pilgerschaft, seines Suchens und seiner Enttäuschungen erkennen. Mit seiner Vernunft kann er zu grundlegenden Erkenntnissen zu jenem Leben gelangen, in dem alles begonnen hat und in dem alles Begrenzte in eine unbegrenzte Fülle mündet. Deshalb ist die Vernunft das grundlegende menschliche Organ für die Heilung schwerer Leiden und unheilbar erscheinender Erkrankungen. Der Intellekt ist in der Tat mit den Transzendentalien des Seins verbunden. Deshalb ist er zu tiefen Erkenntnissen fähig und erkennt, in welche Richtung alles gehen soll. Unsere heutige Gesellschaft benötigt dringend die Vernunft, bzw. den Intellekt.


Doch wie der ganze Mensch, so ist auch seine Vernunft, die ihm helfen soll den Sinn, die Entwicklung und das Ziel seiner Existenz zu verstehen, schwer verwundet und beeinträchtigt. Das Böse und die Sünde haben die Erkenntnis der Wahrheit, der Liebe, der Güte und der Schönheit verdunkelt, behindert, ja, auch oft verunmöglicht. Es fehlen uns die wahren Philosophen. Wir werden von Ideologien und lügnerischen Informationen unserer Medien beeinflusst. Ohne Intellekt stürzt der Mensch auf die materielle und biologische Ebene ab. Er hat die Welt nicht mehr in der Hand, sondern die Welt hat ihn in der Hand. Er wird Sklave des Essens, des Trinkens, der Medizin, der Vergnügungen und pseudowissenschaftlicher Meinungen. Ohne Vernunft wird der Mensch zum Sklaven, mithilfe seiner Vernunft aber kann er sich allem Bösen widersetzen und sich der Wahrheit zuwenden.


Die Vernunft wird nicht selten in den Schmutz gezogen und unterdrückt. Nationalismus, Faschismus, Materialismus, Kommunismus und Sozialismus hindern die Vernunft auf alle mögliche Art und Weise, sich zu erheben. Dort regiert der Mensch dann ohne die Vernunft und fällt in das Böse, in die Lüge. Die Vernunft ist auch in jener Theologie verwundet, die die Vernunft vernachlässigt und lediglich nach der Beziehung zwischen Verstand (ratio) und Glaube fragt. Europa verliert alle Möglichkeiten der Erneuerung, wenn es nicht zu seinen Wurzeln zurückkehrt: zur Vernunft, zum Glauben und zu Jesus von Nazareth. Satanismus, Moralismus, Rationalismus und Neoliberalismus sind heute aggressiv und normal geworden. Die Vernunft muss geheilt werden und zu ihrem Wesen zurückkehren. Die Gesetzmäßigkeiten der Vernunft müssen ernst genommen, die Entwicklung der Philosophie muss angeregt, der Sinn für Moral, Ethik und wahrhaft menschliches Leben muss geweckt werden. Die Vernunft ist die höchste menschliche Kraft, sie ist die Hoffnung für die Erneuerung Europas.

Kehren wir zur ersten Liebe zurück!


Was können wir hagiotherapeutisch tun?

Die Vernunft (Intellekt, lat. intellectus) unterscheidet sich als Begriff und vom Inhalt her vom Verstand (lat. ratio) und von anderen Erkenntnismöglichkeiten. Der Patient muss auf der intellektuellen Ebene dahin geführt werden, einen Gedanken abstrakt entwickeln zu können, zu überlegen und Schlüsse zu ziehen. Er soll selbst erfahren, dass die Erweiterung der intellektuellen Fähigkeit durch Nachdenken großes Vergnügen und Freude bereitet, neue Erkenntnisse und neue Welten erschließt und schließlich Anerkennung in der Gesellschaft mit sich bringt. Er soll über Gott, den Schöpfer, über den Unterschied zwischen Schöpfer und Geschöpf, über den Lebenssinn und die moralischen Werte nachdenken. Das wird ihm helfen, nicht mehr intellektuell unfähig und unglaubwürdig zu sein, sondern Lehrer, Menschenfreund und ein weiser Mensch zu werden.

6.) Verwundung des Verstandes:

Der Verstand ist die Fähigkeit, alle erreichbaren Wirklichkeiten der Welt zu erkennen und zu systematisieren. Verstand heißt im Lateinischen „ratio“ und meint die Fähigkeit, alles in der Welt Messbare mathematisch und systematisch erfassen und ordnen zu können. Der Verstand versteht das, was man ihm vorstellt, enthüllt jedoch nicht neue Wirklichkeiten. Die Vernunft enthüllt die Geheimnisse der Natur und der Welt, während der Verstand diese systematisiert. Der Verstand versteht das Begrenzte der Wirklichkeit, während die Vernunft das Unbegrenzte erkennt. Wenn der Verstand allumfassend sein möchte, verfällt er dem Irrtum, den man Rationalismus nennt. Das ist die Meinung, es existiere nur das, was der Verstand erkennt, alles andere aber sei Mythos, Märchen, irreale Abstraktion. Das ist die schlimmste Krankheit in den modernen Wissenschaften, insofern diese lediglich auf den Verstand bauen und Argumente der Vernunft ablehnen.

Aber lassen sich denn Güte, Liebe, Demut und Treue in solcher Weise beschreiben und wissenschaftlich systematisieren? Die Vernunft (intellectus) also ist schwer verwundet und der Verstand (ratio) spielt verrückt, weil ihm eine Aufgabe gestellt wird, zu deren Lösung er nicht fähig ist. An dieser Verwundung des Verstandes leidet die Gesellschaft auf allen Ebenen und in allen Strukturen, denn nichts ist mehr klar. Hier finden wir die Ursache von Atheismus und Agnostizismus, ebenso von primitiven Äußerungen mancher Naturwissenschaftler hinsichtlich eines umfassenden Verständnisses der Wirklichkeit und der Deutung einzelner Entdeckungen im Zusammenhang.

Der Verstand wird im Wissenschaftsbetrieb mit Fragen belastet, für die er nicht kompetent ist. Das Ergebnis davon sind Verdunkelung, Verwirrung, Unsicherheit, Missverständnisse. Der Verstand braucht allseitige Heilung.


Einerseits muss der Verstand vom Rationalismus geheilt werden, da dieser der Meinung ist, der Verstand könne alles erkennen und erklären. Andererseits brauchen die sog. „modernen Gläubigen“ Befreiung von ihrer Anhänglichkeit an Atheismus, Agnostizismus, Ideologien und andere irrige Überzeugungen, die sich als neue „Religionen“ herausstellen.

 

Der Verstand ist nur eine von mehreren Erkenntnisfähigkeiten des Menschen. Der Verstand muss besser erforscht und geheilt werden. Nur die Wahrheit kann ihn befreien. Diese kann von der Vernunft, dem Gewissen und der Freiheit erkannt werden, nicht aber vom Verstand.

Was können wir hagiotherapeutisch tun?

Heute werden dem Verstand Themen aufgedrängt, die zu erkennen er nicht fähig und nicht kompetent ist. Auf diese Weise entstehen Ideologien, die der Verstand nicht durchschauen und nicht widerlegen kann. Deshalb geraten Menschen in Irrtum und Wahn und zerstören das gesunde Beziehungsgeflecht der Gesellschaft. Jede geistige Fähigkeit des Menschen ist einem bestimmten Bereich zugeordnet. Der Verstand, der die Existenz Gottes leugnet, macht sich lächerlich. Noch lächerlicher machen sich Menschen, die lediglich verstandesmäßigen Beweise für die Existenz Gottes suchen, anstatt dass sie diese auf der Ebene der Vernunft suchen. Was die Vernunft sieht, kann der Verstand nicht sehen; was die Ohren hören, können die Augen nicht sehen, was mithilfe des Mikroskops zu sehen ist, kann das bloße Auge nicht sehen. Die Kompetenzen müssen beachtet werden.

Der Verstand findet Heilung, wenn der Mensch nachdenkt, Probleme löst, sich um das Erkennen neuer Wirklichkeiten bemüht und abstraktes Denken übt und so seine verstandesmäßige Erkenntnisfähigkeit schärft. Dazu hilft das Lesen von Büchern, die Erweiterung des Wissens und auch das Lösen von Rätseln.

7.) Verwundung des Bewusstseins:

Das Bewusstsein ist das Licht des menschlichen Geistes, in dem der Mensch alles sieht und sich allem bewusst wird. Bewusstlosigkeit ist die Dunkelheit der Seele. Der Mensch ist ohne Licht und ohne Erkenntnis, er ist unfähig das zu besitzen, was ihm geschenkt ist. Das Unterbewusste ist das Bewusstsein von den Inhalten der archivierten Erkenntnisse. Dies sind Erinnerungen, derer sich der Mensch körperlich-geistig nicht bewusst ist. Der Mensch besitzt Inhalte, die er aber nicht nutzen und derer er sich nicht bedienen kann.

Das Bewusstsein ist Geist, die Unbewusstheit ist Leib und Psyche ohne Geist. Das Bewusstsein ist wie Licht, die Unbewusstheit ist wie Dunkelheit. Das Unterbewusstsein ist wie ein gelöschtes Licht, das der Mensch nicht einschalten kann; er ist sich seiner Fähigkeiten kaum bewusst und kann diese deswegen nicht aktivieren. Das Licht des Bewusstseins jedoch kann nur mit der moralischen Richtigkeit, mit der Offenheit gegenüber der Güte, der Wahrheit und der Schönheit und mit der bewussten Beziehung zum Schöpfer eingeschaltet werden. Wenn der Mensch sich vom Guten abwendet, wird sein ganzer Organismus gestört und er wird unfähig, seiner selbst und der Dinge um ihn herum bewusst zu sein. Zudem ist das Bewusstsein eine geistige Wirklichkeit, die der Mensch ganzheitlich erlebt, d.h. auch mithilfe seiner leiblichen Möglichkeiten, vor allem des Gehirns. Je mehr das Gehirn verwundet ist, umso begrenzter ist auch das Bewusstsein. Die leiblichen Fähigkeiten werden nicht nur von Krankheit, sondern auch mit zunehmendem Alter begrenzt.

Die Verwundung des Bewusstseins zeigt sich als Begrenzung der Erkenntnisfähigkeit und im Unvermögen auf eine höhere Erkenntnisebene zu gelangen. Diese Begrenztheit besteht, wenn der Mensch nicht lernt, nachzudenken, zu erkennen, sein Wissen und damit sein Bewusstsein neue Wirklichkeiten zu erweitern. Doch nicht nur Erkenntnisse auf der intellektuellen Ebene erweitern das Bewusstsein, sondern auch alle anderen Erkenntnisse und vor allem ein moralisches Leben. Ein moralisches Leben erneuert nicht nur Gehirnzellen, sondern auch die Fähigkeiten der Vernunft und anderer geistiger Strukturen. Jede Rückkehr zum Guten erneuert Gehirnzellen, bringt dem Bewusstsein Gesundheit und ermöglicht die umfassende Entwicklung des Menschen, indem er unerschöpfliche Kraft findet. Jeder negative Gedanke, jedes negative Wort und jede negative Tat verbrauchen die Kräfte des Lebens und begrenzen das Bewusstsein. Das Böse ist nicht nur einfach eine Sünde, die Gott bestraft, nicht nur eine böse Tat, welche die Justiz verurteilt. Das Böse wirkt allgemein zerstörend und ist eine Gefahr sowohl für denjenigen, der es tut, als auch für seine Umgebung.

Wenn das Bewusstsein des Menschen verwundet ist, kann er sich Gottes nicht bewusst werden, und deshalb sagen Atheisten, sie seien Agnostiker. Es ist ihnen zwar klar, dass es Gott gibt, sie sind sich jedoch seiner nicht bewusst. Ein bewusster Mensch ist tüchtig und macht sich vielfältig nützlich, er ist umgänglich und in der Gesellschaft gerne gesehen. Dazu sind ein moralisches Leben und die Kommunikation mit dem Schöpfer notwendig.

Was können wir hagiotherapeutisch tun?

Das Bewusstsein ist die Fähigkeit des Menschen, in Freiheit über sein Wissen zu verfügen, neue Entdeckungen zu machen und neue Formen zu schaffen. Der Mensch ist insoweit tatsächlich kreativ, verantwortlich, persönlich, kommunikativ und fromm, als er sich seines Tuns bewusst ist. Das, wessen er sich nicht bewusst ist, existiert für ihn auch nicht. Ohne Bewusstsein kann der körperliche Organismus leben, der Mensch jedoch nicht. Ohne Bewusstsein gibt es den Menschen nicht. Sein Bewusstsein ist sein Reichtum. Je reicher und vielfältiger an Wirklichkeiten sein Bewusstsein ist, desto reicher, fähiger, nützlicher und lebendiger ist der Mensch. Vergesslichkeit, Unbewusstheit, Traum, Zerstreutheit, Oberfläch-lichkeit und Faulheit verwunden das Bewusstsein und schwächen es. Es ist notwendig, sich das Gelernte, Erkannte, Wichtige und Ewige immer wieder bewusst zu machen, um an dem unzerstörbaren Leben teilhaben zu können. Meditieren, Betrachten, Nachdenken und Erinnern bewahren und vergrößern das Bewusstsein. Wer sich aller Bereiche seines Lebens zu erinnern vermag, ist bewusst gesund und glücklich.

 

Am Ende noch eine kleine Geschichte die uns alle in unserem Bemühen stärken kann, wenn wir einmal am Sinn unserer Arbeit zweifeln und vielleicht meinen, es wäre alles sinnlos:

Es war einmal ein alter Mann, der täglich einen Spaziergang am Meeresstrand machte. Eines Morgens sah er einen kleinen Jungen, der vorsichtig etwas aufhob und ins Meer warf. Der alte Mann rief:
„Guten Morgen, was machst Du da?“
Der Junge richtete sich auf und antwortete:
„Ich werfe Seesterne ins Meer zurück. Es ist Ebbe und die Sonne brennt herunter. Wenn ich es nicht tue, dann sterben sie.“
„Aber, junger Mann“,
erwiderte der alte Mann,
 „ist Dir eigentlich klar, dass hier kilometerweit Strand ist? Und überall liegen Seesterne! Du kannst unmöglich alle retten, das macht doch keinen Sinn!“
Der Junge hörte höflich zu, bückte sich, nahm einen andern Seestern auf und warf ihn lächelnd ins Meer.
Aber für diesen macht es Sinn!“



In diesem Sinne danke ich Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit. Bitte verzweifeln Sie nie und machen Sie immer weiter.

Jetzt ist die Zeit für Nachfragen und Ihre Beiträge zu den Themen des Vortrages.

Danke für Ihre rege Mitarbeit und den guten Austausch.

Kommen Sie gut nach Hause.


Limburg am 8. August 2017

Diakon Bernd Faßbender

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