Zeugnis einer jungen Hagiopatientin

Hallo, lieber Opa,

ich möchte dir vorab einmal schildern, wie sich mein bisheriger Glaube aufbaut. Während ich das Hagiotherapiebuch lese, denke ich nämlich, dass ich vielleicht gar nicht so weit entfernt von eurer Weltsicht bin.

Der wichtigste Punkt in meinem Glauben ist, dass meine Seele (ihr nennt es Geist) vollkommen unvergänglich ist. Durch mehrere Erfahrungen in meiner Krankheit, bei der ich das Thema Tod sehr gründlich behandelt habe, bin ich zu der Erkenntnis gekommen, dass nichts wirklich gar nichts mein grundsätzliches Sein zerstören kann. Es ist nicht möglich, dass mein Innerstes im Augenblick des Todes zerfällt, der Körper geht, aber meine Seele ist nun einmal ganz und gar lebendig und unsterblich. Die wissenschaftliche Ansicht von einer vergänglichen, zufälligen Welt, kann also so nicht stimmen. 

Was steckt nun hinter unserem hiesigen Leben? Meiner Meinung nach wurden wir von unserem Schöpfer in diese materielle Welt geschickt um uns zu entwickeln. Das Leben auf dieser Erde bzw. das Leben in diesem physikalischen Zustand soll uns etwas lehren. Denn das Leben hier ist nur der Anfang von unserem zukünftigen Sein. Mit diesem Hintergrundwissen kann ich für mich neben allem Schönen auch alles Leid ertragen. Denn es bringt mich in meiner Entwicklung weiter und ist somit begründet. 

Das Böse gibt es für mich nicht. Es ist zwar irgendwie existent, jedoch kann man es, wenn man die ganze Welt betrachtet vernachlässigen. Denn ich setze das Gute mit dem Sein gleich und das Böse mit dem Nichtsein. Gutes entwickelt sich und vermehrt sich, wohingegen das Böse nur kaputt macht und sich am Ende sogar selbst zerstört. So wird es immer viel mehr Gutes als Böses geben.

Gott ist für mich mein geistiger Vater, meine Eltern sind für mich Wegbegleiter durch diese materielle Welt. Ich muss aber nicht explizit zu Gott beten. Vielmehr höre ich auf seine Stimme, die in meinem Unterbewusstsein verankert ist. Er leitet mich jede Sekunde meines Lebens. Meine guten und auch schlechten Eigenschaften bewertet er, indem er mir Zeichen gibt. Die einzige Form des wörtlichen Gebetes ist für mich ‚Danke‘ zu sagen, wenn wieder ein Hinweis von ihm kam.

So, jetzt kennst du ein paar wichtige Grundzüge meines Glaubens und ich hoffe, wir werden uns bezüglich der Kirche noch irgendwie einig. :-)

Liebe Grüße
Deine Enkelin

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